Neue „Beiträge zur Weimarer Geschichte“ erschienen


Zum Auftakt von weit mehr als 20 in diesem Jahr geplanten Veranstaltungen der Freunde des Stadtmuseums stellte der Herausgeber Axel Stefek die neu erschienene Jahresschrift „Beiträge zur Weimarer Geschichte 2026“ unlängst im Bertuchhaus vor. Behandelt wird darin u. a. Franz Kafkas Weimar-Besuch 1912 – bei dem sich der Prager Gast in die Hausmeister-Tochter im Goethehaus verliebte. Der Kulturwissenschaftler Prof. Steffen Höhne analysiert auch, welche Zäsur der Besuch „bei Goethe“ für das Werk des Literaten von Weltgeltung bedeutete. Der inhaltliche Bogen in dem Stadtgeschichtsmagazin wird aber viel weiter gespannt: Von einem am Schlossturm einst vorhandenem Heiligenbild aus der Cranachwerkstatt (Verfasser Udo Hopf) bis hin zu einem in den Jahrzehnten der DDR überregional bedeutsamen Großunternehmen. Das Spezialbaukombinat Wasserbau, dessen Vorgängerbetrieb anfänglich im Bertuchhaus ansässig war, verantwortete damals sämtliche Talsperren und Pumpspeicherwerke. Noch heute sind sie größtenteils in Betrieb.
Weitere Aufsätze widmen sich dem Marstall und der Naturkatastrophe der „Thüringer Sündflut“ 1613 (Prof. Volker Wahl), dem bedeutenden Maler Christian Rohlfs und den ihm von Richard Strauss abgekauften Gemälden (Prof. Ulrich Schulte-Wülwer) sowie einer äußerst seltenen Medaille, die anlässlich Carl Alexanders 100. Geburtstag 1918 herausgegeben wurde (Dr. Alf Rößner). Die überraschende Wiederentdeckung von originalen Bauhaus-Malereien aus der Hand Oskar Schlemmers in einer Weimarer Wohnung wird erstmals in Form eines Berichtes – der sich stellenweise wie ein Krimi liest – von dem Restaurator Ludwig Volkmann vorgestellt. Aktuell besonders interessant ist die bauhistorische Analyse des Deutschen Nationaltheaters (Annina Hilfenhaus, Benjamin Rudolph): Wie sah das Gebäude vor der Zerstörung 1945 und nach der Wiedereröffnung 1948 aus, welche Bauteile stammen aus welchen Bauphasen, und warum ist der Zuschauersaal unlängst unter Denkmalschutz gestellt worden? Schließlich wirft ein Erinnerungsbericht eines Weimarer Volksschullehrers einen Blick auf die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Dieser reich illustrierte Beitrag (Axel Stefek) endet mit seltenen Farbaufnahmen von Günther Beyer, die Menschen zwischen brennenden Ruinen zeigen, und mit Aufnahmen aus dem gerade befreiten KZ Buchenwald, auf denen die Bewohner Weimars vor einem Wagen voller Leichen stehen.
Die 288 Seiten und 220 Abbildungen umfassende Publikation enthält auch die Ankündigungen der Sonderausstellungen des Stadtmuseums, sämtlicher Führungen und Vorträge. Wie gewohnt gibt es zudem Informationen rund um das Bertuchhaus und seines Fördervereins. Das vom Weimarer Büro „Waldmann. Büro für Gestaltung“ gestaltete Weimarer Geschichtsmagazin ist im „Abonnement“ über eine Mitgliedschaft im Freundeskreis erhältlich: Alle Freunde und Förderer des Stadtmuseums erhalten es ohne zusätzliche Kosten. (Mitgliedsbeitrag 25 Euro bzw. ermäßigt 20 Euro pro Jahr.) Die bisherigen Bände sind auch in einigen Bibliotheken einsehbar. Kontakt: FreundeBertuchhaus@gmx.de

