Jahresbilanz Stadtmuseum Weimar

Das Stadtmuseum Weimar im Bertuchhaus blickt auf ein spannendes, arbeitsames und erfolgreiches Jahr 2025 zurück.

Die Eingangshalle des Bertuchhauses.Die Eingangshalle des Bertuchhauses.Die Eingangshalle des Bertuchhauses. ©Maik SchuckDie Eingangshalle des Bertuchhauses. ©Maik Schuck

Zu sehen waren verschiedene Sonderausstellungen mit jeweiligen Begleitprogrammen:

Spuren des Krieges: Weimar im Sommer 1945. Seltene Schrägluftbilder der US-Army

Kuratoren: Christian Handwerck, Florian Kleiner

Eröffnung: Freitag, 21.02.2025, 17.00 Uhr

Dauer: Samstag, 22.02.2025 bis Sonntag, 31.08.2025

Im Juni 1945 flogen Aufklärer der US-Army über Thüringen, um das Schadensbild der Bombenangriffe zu dokumentieren. Dabei entstanden einzigartige Aufnahmen Weimars, die den Zustand von Teilen der Stadt nach dem Krieg zeigen. Eine Auswahl dieser sogenannten Schrägluftbilder wird erstmals öffentlich zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges im Stadtmuseum Weimar gezeigt.

Die Sonderausstellung „Spuren des Krieges: Weimar im Sommer 1945. Seltene Schrägluftbilder der US-Army“ besuchten 7.474 Personen. Diese Sonderausstellung wurde von einem umfangreichen Begleitprogramm flankiert.

Eine ganz besondere Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung stellte der Empfang einer US-amerikanischen Delegation zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 06. April 2025 dar.

Im Rahmen der erfolgreichen Sonderausstellung beteiligte sich das Stadtmuseum ebenfalls am Projekt „Wege der Befreiung“ des Robert-Capa-Hauses in Leipzig.

Im April 2025 besuchten zwei Influencer die Sonderausstellung im Stadtmuseum Weimar und verarbeiteten die gewonnenen Erkenntnisse zu einem sehr erfolgreichen Beitrag, der in den sozialen Medien (auf Instagram, TikTok) veröffentlicht und 10.000 Mal angesehen wurde.


Jewgeni Chaldej. Ausgewählte Fotografien

Sonderausstellung im Stadtmuseum Weimar im Bertuchhaus mit Fotografien von Jewgeni Chaldej aus der Sammlung von Ernst Volland und Heinz Krimmer, Berlin

Dauer: 16. April 2025 bis 14. September 2025

Im Mai 2025 wurde der 80. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus begangen. Das Stadtmuseum Weimar im Bertuchhaus zeigte aus diesem Anlass eine weitere Sonderausstellung mit beeindruckenden Bildern aus der Zeit des Kriegsendes.

Jewgeni Chaldej (1917–1997), sowjetischer Fotograf mit ukrainisch-jüdischen Wurzeln, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Klaus Honnef nahm in seinen 1992 erschienenen „Pantheon der Photographie des XX. Jahrhunderts“ nur zwei russische Fotografen auf, Alexander Rodtschenko und Jewgeni Chaldej. Chaldej gilt neben dem amerikanischen Fotografen Robert Capa als der bedeutendste Kriegsfotograf überhaupt. Das bekannteste Motiv von Chaldej ist die Flaggenhissung auf dem Berliner Reichstag, Anfang Mai 1945. Das Foto symbolisiert das Ende des Zweiten Weltkrieges und das Ende des Nationalsozialismus. Chaldej fotografierte auch bei den Nürnberger Prozessen und auf der Potsdamer Konferenz.


Frau Reichspräsident. Louise Ebert (1873-1955)

Eine Fotoausstellung der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, Heidelberg

Eröffnung: Freitag, 12.09.2025, 17.00 Uhr

Dauer: Samstag, 13.09.2025 bis Sonntag, 15.02.2026

Die Fotoausstellung „Frau Reichspräsident. Louise Ebert 1873–1955“ zeichnet in rund 70 Bildern das Leben von Louise Ebert nach. Mit der Wahl ihres Mannes Friedrich Ebert zum ersten deutschen Reichspräsidenten am 11. Februar 1919 wurde Louise Ebert „Frau Reichspräsident“. Sie war die erste Ehefrau eines demokratisch gewählten Staatsoberhauptes in Deutschland und kann damit als erste republikanische First Lady bezeichnet werden. Mit ihrem zurückhaltenden Auftreten etablierte Louise Ebert als Frau eines demokratischen Staatsmannes einen eigenen Stil, der prägend werden sollte.

Die Verfassung der Weimarer Republik wies der Frau des Reichspräsidenten keine offizielle Funktion zu. So blieb es Louise Ebert überlassen, wie sie ihre Rolle ausfüllte. Sie verfügte weder über einen persönlichen Berater noch über ein offizielles Büro. Sie zeigte sich nur bei wenigen Anlässen in der Öffentlichkeit und beschränkte sich auf die Unterstützung einiger karitativer Einrichtungen. Dennoch gelang es ihr, in der Präsidialzeit von Friedrich Ebert breite Anerkennung und Respekt zu erlangen.

Bis zu seinem Tod 1925 war Louise Ebert die starke Stütze ihres Mannes. Nach diesem tiefen Einschnitt zog Louise Ebert sich weitgehend ins Private zurück, engagierte sich aber nach wie vor für wohltätige Zwecke und wurde Teil der demokratischen Erinnerungskultur. Die Fotoausstellung „Frau Reichspräsident. Louise Ebert 1873–1955“ der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte steht unter der Schirmherrschaft der aktuellen First Lady Elke Büdenbender.


Goethes vergessener Baumeister – Clemens Wenzeslaus Coudray (1775–1845)

Tafel-Ausstellung der Stadtverwaltung Bad Berka zum „Coudray-Goethe-Jubiläumsjahr 2025“ in Zusammenarbeit mit auerswald concept special service gmbh und Hella Tänzer

Laufzeit: ab März 2025

Im Jahre 2025 gab es in der Stadt Weimar, im Weimarer Land und in Bad Berka Gelegenheit, an den führenden Meister der klassizistischen Baukunst in Thüringen, Clemens Wenzeslaus Coudray (23.11.1775 bis 04.10.1845), zu erinnern. „Goethes Baumeister“, dessen 250. Geburtstag sowie 180. Todestag wir 2025 begehen, wirkte ab 1816 als großherzoglicher Oberbaudirektor in Weimar. Er war verantwortlich für zahlreiche öffentliche und private Bauten, für ganze Stadtanlagen und für eine moderne Verkehrswegeplanung. Sein umfangreiches Werk in Übereinstimmung mit Goethes Architekturanschauung reicht vom Schlossbau zum bürgerlichen Wohnungsbau, über Schulen und Kirchen bis hin zur Weimarer Fürstengruft und zu Bauerngehöften. Das ebenfalls von ihm entworfene Kurhaus in Bad Berka feiert am 24.06.1825 sein 200jähriges Bestehen.

Für diese Sonderausstellung konnte dank des freundlichen Entgegenkommens der Firma Schleser Antiquitäten aus dem Weimarer Antiquitätenhandel eigens eine sehr seltene und wertvolle Biedermeiertasse angekauft werden:

Ankauf einer Biedermeiertasse – Wertvolle Neuerwerbung des Stadtmuseums Weimar

Das ungemarkte Biedermeier-Ansichtsporzellan mit ungewöhnlich vielen Ansichten, entstand zwischen 1825 und 1850. Das sehr seltene Stück mit neun Ansichten, u. a. mit Tiefurt und Ettersburg, ist unter anderem deshalb besonders wertvoll, weil es eine direkte Verbindung von Weimar ins Weimarer Land herstellt und damit auch auf „Goethes Baumeister“ Clemens Wenzeslaus Coudray hinweist: So ist das Kurhaus in Berka, heute Bad Berka, prominent abgebildet.


Das Stadtmuseum beteiligte sich auch als Leihgeber in einer erneuten Kooperation mit den Kunstmuseen der Stadt Erfurt. Für die gelungene Ausstellung „Mit königlichen Augen. Queen Victoria besichtigt Schloss Molsdorf“ wurden historische Kameras und fototechnisches Zubehör zur Verfügung gestellt.


Erstmals erschien ein Wandkalender 2026 mit zwölf farbigen Monatsblättern „Schätze aus dem Stadtmuseum Weimar“ in limitierter Auflage als einzigartige Begleiter durch das Jahr 2026 für Freunde des Stadtmuseums und Liebhaber der Weimarer Geschichte und Kultur. Zwölf ausgewählte und kurz erläuterte Objekte spiegeln anschaulich Weimars reiche Kunst- und Kulturgeschichte wider. Der farbig illustrierte Kalender mit Fotografien von Maik Schuck in der Gestaltung von Jürgen Postel lädt Monat für Monat zu einer Entdeckungsreise durch die vielfältigen Sammlungen des Hauses ein: Von einer antiken griechischen Scherbe über Porzellankuriositäten bis hin zu Meisterwerken der Malerei. Bei der Objektauswahl und in den Kurztexten wird auch auf Weimarer Jubiläen eingegangen. Bedeutende Namen sind mit unbekannten Kostbarkeiten verbunden und verdeutlichen so das große Potential des Stadtmuseums Weimar im Bertuchhaus und seines unterstützenden Freundeskreises.


In der Museumspädagogik lag der Fokus auf der Erweiterung des Aktionsradius in den Stadtraum. Ein Beispiel war das gemeinsam mit dem Goethe- und Schiller-Archiv realisierte Coudray-Projekt für Weimarer Schulen, bei dem ausgehend von der Coudray-Sonderausstellung im Museum die Brunnen und ein originales Skizzenbuch des Weimarer Architekten im Mittelpunkt standen.


Erstmals gab es eine stadtgeschichtliche Kreativstation innerhalb des Kultur-Brunchs auf dem Gelände des Gaswerk-Vereins.


In dem Viertagesprojekt „Bilderbuchabenteuer. Bertuch und Brehm“ war eine Klasse der hiesigen Pestalozzi-Grundschule mit dem Stadtmuseum Weimar und dem Museum ‚Brehms Welt – Tiere und Menschen‘ in Thüringen unterwegs um zu erkunden, ob analoge Bilderbücher für 9-Jährige heute noch spannend sind. Ein Kurzfilm wird ab September 2026 in einer Sonderausstellung im Stadtmuseum Weimar davon erzählen.


Innerhalb des Weimarer Ferienpasses und ausgeführt mit der Stadtbücherei nahmen 10- bis 14-Jährige am ganztägigen Sommer-Rätselspiel „Geheimnisvolle Flaschenpost“ teil, in dem sie in zwei Teams eine Schatzsuche in der Dauerausstellung in unterschiedlichen Geheimschriften entwarfen, codierten und entschlüsselten.


Halbtägige Grafikworkshops und Papierfalten im Advent boten Erwachsenen und Familien nach dem Sonntagsfrühstück Gelegenheit zu gemeinsamem Erkunden der Dauerausstellung und kreativem Arbeiten in der Museumswerkstatt.


In Kooperationen war das Museum unter anderem auch mit dem Weimarer Mal- und Zeichenschule e.V. (Bilderbuchabenteuer), dem Theater Kokon (Schattentheaterworkshops zu Bertuchs Zeitschriften), der Musikschule (Lange Nacht der Museen), der Landesarbeitsgemeinschaft Puppenspiel e.V. Thüringen (Theateraufführungen) und der Weimarer Bürgerstiftung (Ehrenamtstag). In dem durch die Kulturdirektion Weimar und die Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel jetzt initiierten Netzwerk „Kulturelle Bildung“ beteiligt sich aktiv gemeinsam mit verschiedenen Vereinen und Kulturinstitutionen Weimars auch das Stadtmuseum.


An insgesamt 227 museumspädagogischen Angeboten wie Führungen und Workshops nahm jeder dritte Museumsgast teil. Alle Altersgruppen waren relativ gleichmäßig vertreten. Besonders häufig gebucht wurde neben den Stadtgeschichte(n)-Rundgängen in der Dauerausstellung auch die Kurzführung zu den Schrägluftbildern der US-Armee von 1945.