Bild des Stadtmuseeums

Ernst Feder - Flucht nach Brasilien!

1941 wurde die Situation auch im Süden Frankreich immer gefährlicher. Dank des Brasilianischen Botschafters in Vichy Souza Dantas und dem Botschaftsmitarbeiter Trajano Medeiros do Paço gelang es Ernst Feder und seiner Frau Erna  wie vielen anderen nach Brasilien zu entfliehen. Hierbei handelte Souza Dantas gegen die Anweisungen der Regierung Vargas in Brasilien aus rein humanitären Gründen. Für diesen Einsatz wurde Souza Dantas im Jahre 2000 in Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt. Souza Dantas versah Dr. Ernst Feder auch mit zahlreichen Empfehlungsschreiben, die Ernst und Erna Feder den Start in der neuen Heimat erheblich erleichterten. Im Jornal do Brasil vom 26. April 1954 erinnert sich Ernst Feder in dem Artikel Encontro com Souza Dantas em Vichy (Begegnung mit Souza Dantas in Vichy) an diese Begebenheit. Dort heißt es " Souberam os brasileiros criar neste deserto de tristeza, de depressão e de angustias um oasis de calma, de serenidade e de confiança no futuro." (Die Brasilianer verstanden es, in dieser Wüste der Traurigkeit, der Niedergeschlagenheit und der Todesangst ein Oase der Ruhe, der Seriosität und des Vertrauens in die Zukunft zu schaffen.) 

Ankunft in Brasilien 17. Juli 1941

Ernst und Erna Feder kamen am 17.Juli 1941 mit dem Dampfer Cabo de Hornos in Rio de Janeiro an.Welche Berühmtheit Ernst Feder schon bei seiner Ankunft war, zeigt der nebenstehende Artikel mit seinem Bild, der schon am 18. Juli 1941 darauf im Globo erscheinende Artikel.

Übersetzung nebenstehenden Textes (Ernst Feder (derjenige ohne Hut) , ein deutscher Journalist, der auf der Cabo de Hornos nach Brasilien floh, wie er mit einem Reisebegleiter ein Dokument liest - Flieht nach Brasilien ein Deutscher Journalist - VOR DER MACHTERGREIFUNG HITLERS WAR ER EINER DER HERAUSRAGENSTEN JOURNALISTEN DES REICHES.)

Ernst Feder gelang es dank der Empfehlungsschreiben des Botschafters in kürzester Zeit für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften als Journalist zu arbeiten. Anfangs schrieb er auf Deutsch und ließ die Artikel übersetzen, dann auf Portugiesisch mit einer Durchsicht und nach 4 Jahren hatte der über 60jährige die Portugiesische Sprache derart gut erlernt, dass er eigenhändig die Artikel verfasste. 

Desweiteren schrieb er für zahlreiche deutschsprachige Zeitung wie zum Beispiel das Argentinische Tageblatt.

Encontros - Begegnungen - Petropolis

Seinen ersten Brasilianischen Sommer verbrachten Ernst und Erna Feder in dem Kaiserstädtchen Petropolis, welches auch von den Brasilianer aufgrund seines kühleren Gebirgsklimas als Sommerfrische genutz wird. Fast täglich fuhr Ernst Feder mit dem Bus nach Rio de Janeiro hinab, um dort seine Artiekl in den Zeitungen abzugeben bzw. in der Nationalbibliothek zu recherchieren und sein soziales Netz zu knüpfen. Auf diesen Fahrten entstanden die Essays zu dem 1944 in Brasilien, 1945 in Argentien und schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg 1950 erschienen Buch Begegnungen. Ernst Feder schreibt in der Einleitung der deutschen Ausgabe:

" Die hier vorliegenden Essays sind in meinem ersten brasilianischen Sommer entstanden, den ich in Petropolis verlebte. Wenn ich nach der Tagesarbeit aus dem heißen Rio nach der kühleren Bergstadt zurückkehrte, nutzte ich die nächtlichen Fahrten unter dem Kreuz des Südens, um durch Erinnerung an historische Gestalten der letzten Jahrhunderte eine Art geistiges Band zwischen der Neuen und der Alten Welt zu knüpfen, namentlich dem früheren Deutschland, dessen ewige Gegenwart mir auch in der Aktualität der zwölf Jahre, die ich zuerst in Frankreich, dann in Brasilien zubrachte, ungetrübt blieb. Begegnungen, denen ich nicht beigewohnt, Unterhaltungen, die ich nicht mit angehört hatte, suchte ich in diesen Stunden zu formen, um mir die Anpassung an das neue "Klima" durch die Verlebendigung des kulturellen Austausches zwischen den beiden Kontinenten zu erleichtern. "

Ernst Feder und Stefan Zweig

Faksimilie des letzten Briefes von Stefan Zweig an Ernst Feder, aus DIÁLOGOS DOS GRANDES DO MUNDO de ERNESTO FEDER, Rio 1944.

In Petropolis wohnte das Ehepaar Feder in unmittelbarer Nachbarschaft des Ehepaars Zweig. Beide Ehepaare besuchten sich. Beide Ehepaare waren im Exil. Und Ernst Feder und Stefan Zweig waren beide 60 Jahre alt geworden.

Ernst Feder erhielt nach dem Selbstmord Stefan Zweigs Berühmtheit durch die Tatsache das das Ehepaar Feder die letzten waren die die Zweigs lebend gesehen hatten. In Duzenden von Artikeln berichtete er von den LETZTEN TAGEN DES STEFAN ZWEIG, selbst nach seiner Rückkehr nach Deutschland schrieb er noch zahlreiche Artikel zum Gedächnis an Stefan Zweig.

Transscription des Briefes rechts:

"Verehrter Herr Dr. - ich sende Ihnen mit den Zeitungen auch jene Schachnovelle, allerdings in unkorrigierter und noch lange nicht zu Ende gefeiltem Zustande - natürlich höchst dankbar, wenn Sie als doppelter Fachmann der beiden Künste, der sachlichen und literarischen, mir Ihre Einwände rückhaltlos sagen wollten. Wir freuen uns sehr auf Dienstag - bei schönem warmem Wetter würde ich natürlich unsere Terasse vorschlagen. Mit besten Grüßen. von

aluguel zu aluguel (aluguel = gemietete Wohnung) Stefan Zweig" 

Casa Stefan Zweig - Stefan Zweig Haus/ Museum in Petropolis

 

1945 - Kriegsende und Schriftstellerkongress

Von 1941 bis 1945 waren die Mehrzahl der Artikel Ernst Feders eher unpolitischer Natur, auch wenn sie von einem zutiefst humanistischen und antinazistischen Weltbild geprägt waren.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Ende der Regierung Vargas und der damit einher gehenden Aufhebung der Zensur (DIP) konnte sich Ernst Feder auch zunehmend politische Artikel erlauben.

Deutlichstes Zeichen Ernst Feders poltischer Teilnahme war seine Teilnahme am 1. Brasilianischen Schriftstellerkongress in Sao Paulo.

Serra-Post Kalender - Lessing entdeckt Brasilien !

Dr. Ernst Feder schrieb auch für zahlreiche deutschsprachige Publikationen. In Rio Grande do Sul , einer Region mit hoher Zahl deutschstämmiger Brasilianer, von großer Bedeutung waren die Publikationen des Verlags Ulrich Löw in Ijuí.

Auch hier zeigt sich Ernst Feders Gabe anhand historischer Begebenheiten Verbindungen zwischen Deutschland und Brasilien zu schaffen, die einem zutiefst humanistischen Weltbild verwurzelt sind.

Für die untenstehenden Genehmigung danken wir dem Museum Antropólogico Diretor Pestana der Universität Ijuí.

Serra-Post Kalender 1952 Lessing entdeckt Brasilien von Dr. Ernst Feder

 

Autor/Kurator:
Dipl.rer.pol. Sylk Schneider 
Tel.: (0 36 43) 82 60 38
E-Mail: sylk.schneider@stadtweimar.de