Bild des Stadtmuseeums

Eröffnung 13. Mai 2011, 16.30 Uhr im Stadtmuseum

Bilder der Eröffnung

Zur Eröffnung am 13. Mai im Stadtmuseum Weimar sprachen der Gesandte der brasilianischen Botschaft Roberto Colin und der Oberbürgermeister der Stadt Weimar Grußworte in Gedenken an Dr. Ernst Feder. Besonders bewegend war die Anwesenheit der extra aus Berlin angereisten Freundin von Erna und Ernst Feders, Dr. Renate Grumach. Auch Prof. Dorothea Kuhn ließ es sich nehmen, Ernst Feder mit dem sie zu Goethe brieflich korrespondierte, zu feiern.

Der Oberbürgermeister der Stadt Weimar hatte vor dem Rathaus brasilianisch flaggen lassen sowie das Gästebuch der Stadt Weimar mit zur Ausstellungseröffnung ins Stadtmuseum Weimar gebracht. In seinem Eintrag (auf Seite 79, des 1999 begonnenen Gästebuchs) beglückwünschte der brasiliaische Gesandte Roberto Colin im Namen der brasilianischen Regierung die Stadt Weimar zu dieser Ausstellung. Roberto Colin war derart begeistert, dass er die Ausstellung in der brasilianischen Botschaft in Berlin zeigen möchte.

Begleitprogramm zur Sonderausstellung!

Zur Sonderausstellung fand ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen - Ausstellungsgesprächen und Filmvorführungen statt.

Rückblick auf das Begleitprogramm

Dr. Ernst Feder - Ein Journalistenleben

Dr. Ernst Feder und seine Frau Erna Feder

Dr. Ernst Feder (1881-1964).

Ein Journalistenleben zwischen Weimarer Republik, Exil und Goethe

Kabinettausstellung im Vortragsraum

mit freundlicher Unterstützung des Leo Baeck Instituts New York (Photograph left : Courtesy of the Leo Baeck Institute New York)

Eröffnung: Freitag, 13. Mai 2011, 16:30 Uhr

Zeitraum: Freitag, 13.05.2011 bis Sonntag, 10.07.2011

Kurator: Sylk Schneider, Stadtmuseum Weimar

Eines der Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkte des Stadtmuseums Weimars ist die Weimarer Republik. Dr. Ernst Feder war einer der führenden Journalisten eben dieser Republik. Seine Tagebücher sind eine der wertvollsten Quellen zur Weimarer Republik. Auch im Exil, welches er aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit und seiner jüdischen Herkunft als einer der ersten zuerst in Paris und dann in Brasilien suchte, gehörte er zu den bedeutenden Journalisten, die dazu beitrugen, das Bild des anderen Deutschland zu bewahren. In den Zitaten seiner Zeitgenossen wird er "Blüte des Exils" oder "Thomas Mann Südamerikas" genannt. Zentrum seines deutschen humanistischen Kulturverständnisses war Goethe.

 

Dr. Ernst Feder und Hugo Preuß

Am 28. Oktober 1925, an dem Tage, an dem Hugo Preuß das fünfundsechzigste Lebensjahr vollendet haben würde, hielt Dr. Ernst Feder auf der Feier desJungdemokratischen Verbandes Groß-Berlin im großen Sitzungsaal des ehemaligen Herrenhauses die Gedächnisrede. Hugo Preuß und Ernst Feder gehören zu der Gründungsgeneration der DDP und dass sie auch freundschaftlich  verbunden waren, merkt man Ernst Feders Rede an.

"MIT DEM LEBEN; DAS IN DER NACHT VOM ACHTEN

zum neunten Oktober erlosch; ist der deutschen Nation ein wertvoller Besitz genommen. Hugo Preuß hat noch kurze Zeit vor seinem Tode mit Freunden über das Wort Goethes gescherzt: „Wenn ich ein Leben lang an mir gearbeitet habe, dann hat die Natur nicht das Recht, mir mit einer Hand voll Erde den Mund zu stopfen.“ Sie hat sich das Recht genommen. Der beredte Mund ist verstummt. Er, dessen Stimme so oft vor uns erklang, wird nicht mehr zu uns reden. Aber uns ziemt es, auf das zu hören, was seine Arbeit, sein Werk, sein Leben uns sagt."

Weitere Ausschnitte aus der Ernst Feder-Rede

 

Wahl zum ständigen Richter am Internationalen Ehrengerichtshof

1931 wurde Ernst Feder zum ständigen Richter am Internationalen Ehrengerichtshof in Den Haag gewählt.  Dr Ernst Feder in seiner Rede zur ersten Sitzung folgenden Wunsch aus: "Wir wissen wohl, dass es ein Experiment ist, ein schwieriges, in seinen Ergebnissen nicht übersehbares, das wir heute hier beginnen. Wie schierig ist es schon, die mannigfaltige und vielfach auseinander strebende Presse eines einzigen Landes zusammenzuhalten. Wieviel schwieriger noch ist die Aufgabe, die Presse aller in Betracht kommenden Länder an gemeinsame Arbeit zu binden, die internationale Presse, die so bunt sich gliedert wie die Farben, die das Spektrum des Lichts aneinanderreiht."

 

Dr. Ernst Feder und die Exilzeitschrift "MASS und WERT"

Titelblatt "MASS und WERT" Heft 4 1938 mit Dr. Ernst Feders Beitrag "Erinnerungen an Stresemann"

Am Mittwoch, den  5.9.37 notiert Ernst Feder in sein Tagebuch

"Früh nach Zürich gefahren ( .. ) Dann esse ich im Gotthard, ruhe mich in meinem kleinen Zimmer im Augustinerhaf aus, treffe mich dann im "Nebelspalter" mit Lion, Golo Mann und Erich Kahler. Lion hat von Redaktionssachen keine Ahnung, Thomas Mann hat ihn zum Redakteur gemacht, er war Louis Ullsteins Vertrauter, mit der erten Nummer gar nicht zufrieden, obwohl sie viel gekauft wird (Dieser Erfolg gibt ihm einigen Mut , er sagte zu Thomas Mann: " Je suis, donc je pense.") Die zweite Nummer werde schon ausgeglichener werden, ich werde die Hefte bekommen. An mich pirscht er sich vorsichtig heran: "Kannten sie Stresemann?" Golo Mann, der anscheinend sein ständiger Berater als Vertreter des Vaters ist und verständigen Eindruck macht: " Wie können sie das fragen?" Also ich soll für das vierte Heft einen Essay über Stresmann schreiben, dann eventuell einen Aufsatz über politische Memoiren, ein Buch von Hertz, grossen Wälzer , gibt er mir. Golo Mann kennt das Bambergerbuch, Bambergers Freundin Frau Pringsheim (Tochter von Hedwig Dohm) ist seine Großmutter. Lion klärt mich über den Charakter der Zeitschrift auf, nichts Leichtes, nicht leichtfer(t)iges wollen sie haben, nur was Mass und Wert hat. Es scheinen mir etwas schwere Leute zu sein, so eine Art Clique im guten Sinne." (Zitat aus den Tagebüchern Ernst Feders 1937 - Ernst Feder Collection AR 7040 - Leo Baeck Institute, New York)

Ernst Feder schreibt für  vier Hefte von "MASS und WERT" Beiträge. Sein Stresemann-Artikel erschein 1938 in Heft 4 des 1. Jahrganges.

Ernst Feder - Exil in Brasilien

Dr. Ernst Feder und Goethe

Ex Libris von Dr. Ernst Feder

Fred Ascher schrieb  1949 Ernst Feder ist "the greatest living authority of Goethe in Latin America", und kommentiert Ernst Feders Goethe- Festrede im Teatro Serrador, Rio folgendermaßen "A masterful penetrating outline of the life and work of the German Olympian", und verspricht, "to plant some day a Goethea" in his own garden".

Die brasilianische Malvenart "Goethea" stilisiert Ernst Feder als Symbolpflanze des Humanismus. Ernst Feder endet seine Rede mit:

"Ein jeder pflanze eine Goethea vor seine Tür

und rein bleibe jedes Stadtquartier"

1951 zu seinem 70. Geburtstag gestaltet Meta Schück für Ernst Feder nebenstehendes Ex Libris, welches Ernst Feder bis zu seinem Tode 1964 benützt.

Rückkehr nach Deutschland

1953 reiste Ernst Feder auf Einladung der Bundesregierung nach Deutschland um einerseits persönlich das Bundesverdienstkreuz in Empfang zu nehmen und andererseits bei zahlreichen Radiosender aus seinem Buch Begegnungen zu lesen.

Weitere 3 Jahre späten entschlossen sich die Feders entgültig nach Deutschland zurückzukehren. Sie wohnten bis zu Feders Tod am Hohenzollerndamm in Berlin.

Als Feder am 29. März 1964 in Berlin starb war er zwar weitgehend vergessen aber dennoch würdigten zahlreiche Zeitungen in Nachrufen Ernst Feders Schaffen. Robert Welsch (kompletter Welsch -Nachruf in englischer Sprache) zitiert in den ajr-Nachrichten den Bundespräsidenten Lübke. "Deutschland verliert mit  Ernst Feder einen seiner größten Publizisten"

Autor/Kurator:
Dipl.rer.pol. Sylk Schneider 
Tel.: (0 36 43) 82 60 38
E-Mail: sylk.schneider@stadtweimar.de