Bild des Stadtmuseeums
Stadtmuseum : Mittwochsvorträge 2022

Mittwochsvorträge 2022

Mittwochsvorträge 2022 des Vereins für Freunde und Förderer des Stadtmuseums im Bertuchhaus e.V.

 

Beginn ist jeweils um 17.00 Uhr.

Sämtliche Veranstaltungstermine vorbehaltlich Änderungen oder Absagen. Für die Teilnahme an Vorträgen und Führungen ist gegebenenfalls eine Anmeldung erforderlich.

Aktuelle Informationen, auch über weitere Veranstaltungen, erhalten Sie regelmäßig per e-Mail. Wenn Sie in den Verteiler aufgenommen werden möchten, wenden Sie sich bitte an Frau von der Heyde.

Kontakt über die Schriftführerin im Vorstand, Frau Claudia von der Heyde; per E-Mail: FreundeBertuchhaus@gmx.de oder telefonisch 03643-46 86 56 0

 

 

13.04.2022:  Marlene Dietrich als Lyzeumsschülerin in Dessau (1916/17) und als Musikschülerin in Weimar (1920/21) - Prof. Dr. Volker Wahl

In der Biografie der international bekannten Schauspielerin Marlene Dietrich (1901-1992) ist der Weimar-Aufenthalt inszwischen gut durchleuchtet. Dass sie einige Jahre zuvor mit Mutter und Schwester in der anhaltinischen Residenzstadt Dessau gewohnt hat, ist der dortigen Lokalforschung zwar bekannt, aber in den interfamiliären Zusammenhängen noch nicht schlüssig aufgearbeitet worden. 

Der Vortrag widmet sich diesem biografischen Kontrastprogramm, das vor allem auch ein Abbild des Lebensalters der noch jungen Marlene darstellt: In Dessau war sie eine unbekümmerte Lyzeumsschülerin von 15 Jahren, die gern "bummelte" und sich mit "Pennälern" vergnügte; in Weimar war sie mit nunmehr 19 Jahren eine immer noch lebenslustige, aber doch schon strebsame Musikschülerin, die hier den in Berlin begonnenen privaten Geigenunterricht fortsetzte. Sie war allerdings noch jung und unerfahren in den wirklichen Dingen des Lebens. Es fällt auf, dass in ihren späteren "Erinnerungen" Dessau keine Rolle spielt, während ihr Aufenthalt in Weimar enthusiastisch beschrieben wird. Aber auch die während des Weltkrieges in Dessau verbrachte Zeit war eine wichtige Erfahrung ihres jungen Lebens.

 

18. Mai 2022: August Lehrmann, Stadtbaumeister 1908 bis 1937. Eine Annäherung. Oliver Trepte

Im Stadtbild Weimars hat er nachhaltige Spuren hinterlassen. Obwohl seine städtebaulichen Projekte in den letzten Jahren wieder in den Blick gekommen sind, steht eine Bilanz noch aus. Vielmehr erschöpft sich das Wissen über sein Leben und Werk bisher in kurzen biografischen Annotationen. Wer war August Lehrmann, der 1909 die vergleichsweise schlecht dotierte Stelle des Weimarer Stadtbaurates bekam und sie fast drei Jahrzehnte behielt, bis er unter NS-Herrschaft 1937 aus dem Amt schied?

Das "Kulturprojekt", die Neugestaltung des Jakobfriedhofs, die Siedlung Gr9oßmutterleite - zahlreiche seiner Arbeiten sind stadtbildprägend und noch immer in Benutzung. Im Bestreben, "die bauliche Entwicklung Weimars über die gefährlichen Klippen der modernen Kunstanschauung und -einflüsse hinwegzubringen, ohne als rückständig zu gelten" (1928) liegt ein wirkmächtiger Versuch der Konstruktion städtischer Identität. War er Brückenbauer der Moderne oder konservativer Ausbremser ihrer Einflüsse? 

Der Vortrag versucht anhand der baulichen Hinterlassenschaften einen ersten Überblick über das widersprüchliche, doch noch nahezu unbekannte Erbe des Stadtbaumeisters August Lehrmann zu geben.

 

08.06.2022: Ein antikes Vasenmalereifragment mit Erosdarstellung im Stadtmuseum Weimar - Dr. Ronny Teuscher

In den Sammlungen des Stadtmuseums Weimar wurde eine lange Zeit verschollen geglaubtes Vasen-Fragment eines attischen Lebes Gamikos (Hochzeitskessel) vom Ende des 5. Jahrhunderts vor Chr. wiederentdeckt - eine der wenigen Antiken des Stadtmuseums. Durch den Schriftsteller Ernst Hardt hatte es seinen Weg von Athen nach Weimar gefunden. Die erhaltene Vasenmalerei zeigt eine beliebte Szene aus dem Umfeld griechischer Hochzeitsdarstellungen. Der Referent wird die unterschiedlichen Informationen, die sich wissenschaftlich aus Keramik und Vasenmalerei gewinnen ließen, mittels archäologischer Methoden wieder zu einem "ganzen Gefäß" zusammensetzen.

 

21. September 2022: Zeppelin Luftschiffe - Ein Symbol der Weimarer Republik - Sylk Schneider

Am Ende des ersten Weltkrieges waren die Zeppeline ein Symbol für die deutschen Bombenwerfer. Wie konnte in der Weimarer Republik daraus ein Friedenssymbol werden? Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 war der Bau von Luftschiffen in Deutschland untersagt. Hugo Eckener, der Leiter der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, konnte für den Bau der LZ 126 eine Ausnahmegenehmigung als Reparationsleistung erlangen. Durch die Überfahrt 1924 nach Südamerika wandelte sich das Bild in den USA vom bösen Deutschen zum guten Deutschen, dem eine umjubelte technische Meisterleistung gelungen war. Eckener und seine Zeppelin-Luftschiffe wurden zu besten Botschaftern der Weimarer Republik. Mit dem Beitritt zum Völkerbund 1926 wurde das Verbot zum Bau von Luftschiffen aufgehoben. Die Weltumfahrung des neu gebauten Luftschiffes LZ 127 "Graf Zeppelin" vom 14. August bis 4. September 1929 begründete Weltruhm. Bei einer Umfrage der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" wurde Hugo Eckener gar zum berühmtesten Zeitgenossen der Menschheit gewählt. - Mit dem Nationalsozialisten kam auch das Ende der Luftschifffahrt. Eckener schreibt in seinen Memoiren, der Zeppelin-Verkehr sei "durch Hitler zu Grabe getragen worden."

In dem Vortrag wird unter anderem der Frage nachgegangen, wie aus den Zeppelinen, die am Ende des Ersten Weltkriegs als Bombenwerfer eingesetzt worden waren, in der Weimarer Republik ein Friedenssymbol werden konnte.

 

12. Oktober 2022: " 'Bauhaus' wird wieder Bauhaus". Vor 75 Jahren scheiterte der Versuch, das Staatliche Bauhaus in Weimar fortzusetzen. - Dr. Norbert Korrek

Am 24. August 1946 wurde in der Weimarhalle die Hochschule für Baukunst und bildende Künste feierlich wiedereröffnet. Bereits im Juli 1945 war der Architekt Hermann Henselmann mit der Reorganisation der Hochschule beauftragt worden. Dass er dabei an pädagogische Traditionen vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten anknüpfen wollte, gebot die politische Vernunft. Henselmann musste jedoch seinen "Reorganisationsplan", der die erneuerte Hochschule vor allem an den Zielen und Aufgaben des Weimarer Bauhauses ausrichten wollte, wegen ideologischer Bedenken und zugunsten der drängenden Aufgaben des Wiederaufbaus schnell aufgeben. Die Auseinandersetzungen um die Fortführung des Bauhauses vollzog sich in einem zuweilen grotesken Widerstreit politischer und fachlicher Interessen. Spätestens 1951 wurde die Institution Bauhaus in der DDR für lange Zeit ins ideologische Abseits gestellt. 


09. November 2022: Zwischen Hof und Stadt. Die jüdische Familie Elkan in Weimar um 1800 - Dr. Marko Kreutzmann (Jena)

Im Jahr 1770 wurde Jacob Elkan von der Herzogin Anna Amalia zum "Hofjuden" ernannt und ihm die Ansiedlung in der Stadt Weimar und der Handel im Fürstentum Sachsen-Weimar gestattet. Damit wurden zum ersten Mal seit der Ausweisung der Juden aus den ernestinischen Territorien in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wieder Juden in Weimar ansässig.

Der Vortrag zeigt, wie sich seit der Ankunft der Familie Elkan neues jüdisches Leben in Weimar etablierte. Er untersucht die wirtschaftlichen Aktivitäten der Familie Elkan, ihr Verhältnis zum Hof, zur Stadt und zu den bekannten Persönlichkeiten des klassischen Weimar um 1800. Außerdem wird die Rolle der Familie Elkan im Prozess der Integration der Juden in die bürgerliche Gesellschaft im 19. Jahrhundert thematisiert.

 

12. Dezember 2022: Naturmensch, Naturheiler, Religionsstifter, Tempelwächter, Wanderprediger - Gustav Nagel - Gundula Lilienthal

In der neu gestalteten Ausstellung im Neuen Museum wird der in Arendsee beheimatete Gustav Nagel (1874-1952) - wohl einer der berühmtesten Aussteiger seiner Zeit - kurz vorgestellt. Dass er als Wanderprediger auch in Weimar auftauchte, ist Anlass, einen kleinen Einblick in seine bemerkenswerte Lebens- und Wirkungsgeschichte zu geben. Beeinflusst von den Lehren des Pfarrers Sebastian Kneipp widmete er sich der Naturheilkunde und konnte sich mittels seiner neuen Lebensweise von seinen eigenen Leiden und Allergien befreien. Er wurde Vegetarier, kleidete sich so, wie sich die Menschen Jesus vorstellten, trug die Haare lang und einen Bart, lief barfuß, trug einen Talar oder nur einen Lendenschurz. Kurt Tucholsky nannte ihn "natürlicher Naturmensch von Beruf", das Volk den "Kohlrabiapostel". Seine unangepasste Lebensweise wie das Wohnen in einer Erdhöhle musste zu Konflikten führen, er wurde sogar entmündigt. Reisen führten nach Berlin, Capri, Ascona, Jerusalem, wohlgemerkt barfuß. Er heiratete dreimal, kaufte sich in Arendsee ein Grundstück und erbaute einen Paradiesgarten mit einer Tempelanlage, einem Sonnen- und Brausebad. Zum Lebensunterhalt trugen der Verkauf von Schriften, Postkarten, Naturprodukten, eigenen Dichtungen und Kompositionen bei. Nagel versuchte sich als Politiker und setzte sich für eine vereinfachte Orthographie nach Gehör ein.

Gustav Nagel ist wohl einer der berühmtesten Aussteiger seiner Zeit. Seine bemerkenswerte Lebens- und Wirkungsgeschichte und sein Aufenthalt als Wanderprediger in Weimar werden im Vortrag näher beleuchtet. Mit dokumentarischen Materialien aus ihrem Buch "gustaf nagel. Der Provokateur vom Arendsee" wird die Autorin Christine Meyer den Vortrag ergänzen.