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Stadtmuseum : Mittwochsvorträge 2021

Mittwochsvorträge 2021

Mittwochsvorträge 2021 des Vereins für Freunde und Förderer des Stadtmuseums im Bertuchhaus e.V.

 

Die Vorträge finden 2021 voraussichtlich im Stadtarchiv Weimar statt. Beginn ist jeweils um 17.00 Uhr. Bei aus Hygienegründen behördlich angeordneter Beschränkung der Zuhörerzahl und wegen der begrenzten Zahl der Plätze ist eine vorherige Anmeldung zu den Vorträgen erforderlich.

Kontakt über die Schriftführerin im Vorstand, Frau Claudia von der Heyde; per E-Mail: FreundeBertuchhaus@gmx.de oder telefonisch 03643-46 86 56 0

 

-- ENTFÄLLT --

13. Januar:  Marlene Dietrich als private Musikschülerin in Weimar 1920/21 - Prof. Dr. Volker Wahl

 

Die international bekannte Filmschauspielerin Marlene Dietrich /1901-1992) hat von Oktober 1920 an 13 Monate in Weimar gelebt, wo sie den in Berlin begonnenen privaten Geigenunterricht bei Robert Reitz, dem Konzertmeister der Staatskapelle, fortsetzte. In ihrer 1979 erschienen Autobiografie hat sie den Aufenthalt in der Goethestadt enthusiastisch beschrieben, aber in Weimar selbst war dieser Lebensabschnitt praktisch nicht bekannt. In der biografischen Literatur über sie und in feuilletonistischen Zeitungsbeiträgen zu ihren Weimar-Beziehungen sind bis heute grobe Fehler, Halbwahrheiten und Fehlinterpretationen anzutreffen. Wo sie in Weimar tatsächlich gewohnt hat, wird im Vortrag ausführlich erläutert. Am 30. Oktober 1921 fuhr sie endgültig nach Berlin zurück. Was sie in dieser Zeit in Weimar erlebt hat, ist ein weitgehend unbekanntes Stück der Kulturgeschichte unserer Stadt. 

 

17. Februar: Brückenbauer zwischen Großherzogin und Volk im 19. Jahrhundert. Zur historischen Bedeutung des Geheimen Medizinalrats und Geheimen Hofrats Dr. med. Ludwig Pfeiffer für Weimar - Dr. Thomas Schröter

 

Am 9. Mai 2021 jährt sich der Todestag des regionalhistorisch bedeutsamen Arztes Ludwig Pfeiffer (1842-1921) zum 100. Mal. Ausgehend von biografischen Daten und Anekdoten wird das Bild eines vielseitig aktiven Bürgers unserer Stadt nachgezeichnet, der sich in mehreren Wirkungsbereichen bleibende Verdienst erwarb. Hervorgehobene Aufmerksamkeit wird den Projekten Pfeiffers für das Gemeinwesen nach seiner Berufung zum Leibarzt der Großherzogin Sophie gewidmet. Die Volksgesundheit lag ihm neben anderen kommunalen Belangen besonders am Herzen. Als Mitglied des Gemeinderates hatte er Erfolge, erlebte aber auch Unverständnis. Noch zu Lebzeiten wurden dem Doktor der Medizin diverse Ehrungen zuteil, die es vor dem Vergessen zu bewahren gilt. Es wird auch über den aktuellen Sanierungsstand an bekannten und weniger bekannten Erinnerungsstätten berichtet. 

Zu Ludwig Pfeiffers 100. Todestag siehe auch einen weiteren Vortrag von Nobert Kissel am 12. Mai 2021.

 

17. März: Richard Wetz (1875-1935) - ein bedeutender spätromantischer Komponist. Seine Jahrzehnte in Erfurt und Weimar - Dr. Rudolf Benl

 

Richard Wetz, 1875 in Gleiwitz geboren, prägte als Komponist, Lehrer, Chorleiter und Kritiker drei Jahrzehnte lang das Musikleben in Erfurt und Weimar. Er kam 1906 als Leiter des Erfurter Musikvereins nach Thüringen, bald übernahm er die Leitung weiterer Chöre. Von 1916 bis zu seinem Tode im Jahr 1935 unterrichtete er an der Großherzoglichen Schule (Hochschule) für Musik in Weimar. Innerhalb der Musikhochschule errang er rasch die Stellung des bedeutendsten Lehrers, mit dessen Namen man deutschlandweit für die Hochschule warb. Seine drei Sinfonien, die zwei oratorischen Werke, die zwei Streichquartette, seine Vokalwerke erklangen in vielen deutschen Musikzentren. Die Aufnahme in die Preußische Akademie der Künste im Jahr 1928 - gleichzeitig mit Igor Strawinsky - machte den ihm damals zuerkannten Rang deutlich. Nach 1945 wurde es um Wetz' Schaffen sehr still. Erst nach der jüngsten Jahrhundertwende kam es zu einer Wiederbelebung, so dass mittlerweile die Werke "der großen Form" alle auf Tonträgern verfügbar sind. 

 

21. April 2021: Ein antikes Vasenmalereifragment mit Erosdarstellung im Stadtmuseum Weimar - Dr. Ronny Teuscher

 

In den Sammlungen des Stadtmuseums Weimar wurde eine lange Zeit verschollen geglaubtes Vasen-Fragment eines attischen Lebes Gamikos (Hochzeitskessel) vom Ende des 5. Jahrhunderts vor Chr. wiederentdeckt - eine der wenigen Antiken des Stadtmuseums. Durch den Schriftsteller Ernst Hardt hatte es seinen Weg von Athen nach Weimar gefunden. Die erhaltene Vasenmalerei zeigt eine beliebte Szene aus dem Umfeld griechischer Hochzeitsdarstellungen. Der Referent wird die unterschiedlichen Informationen, die sich wissenschaftlich aus Keramik und Vasenmalerei gewinnen ließen, mittels archäologischer Methoden wieder zu einem "ganzen Gefäß" zusammensetzen.

 

12. Mai: Ludwig Pfeiffer - ein Pionier der Steinzeitforschung - Norbert Kissel

 

Die wissenschaftliche Urgeschichtsforschung ist im 19. Jahrhundert aus einer Laienbewegung hervorgegangen. Enthusiastische Mediziner, Lehrer, Theologen, Offiziere und Techniker waren die Ersten, die ein Bild des frühen Menschen entwarfen, das bis in unsere Zeit hineinwirkt. Zu diesen Pionieren der Urgeschichtsforschung gehörte auch der Geheime Hof- und Medizinalrat Dr. Ludwig Pfeiffer, der seine Thesen über das Leben und Wirken des frühen Menschen u.a. in einem reich bebilderten und pädagogisch ambitionierten Buch zusammenfasste: "Die Werkzeuge des Steinzeit-Menschen" erschienen in Jena im Jahr 1920. Der Vortrag fokussiert auf die darin enthaltenen Aussagen und Darstellungen und zeichnet ein Bild Pfeiffers im Spiegel der Forschungsgeschichte und der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion.

 

09. Juni: Naturmensch, Naturheiler, Religionsstifter, Tempelwächter, Wanderprediger - Gustav Nagel - Gundula Lilienthal

 

In der neu gestalteten Ausstellung im Neuen Museum wird der in Arendsee beheimatete Gustav Nagel (1874-1952) - wohl einer der berühmtesten Aussteiger seiner Zeit - kurz vorgestellt. Dass er als Wanderprediger auch in Weimar auftauchte, ist Anlass, einen kleinen Einblick in seine bemerkenswerte Lebens- und Wirkungsgeschichte zu geben. Beeinflusst von den Lehren des Pfarrers Sebastian Kneipp widmete er sich der Naturheilkunde und konnte sich mittels seiner neuen Lebensweise von seinen eigenen Leiden und Allergien befreien. Er wurde Vegetarier, kleidete sich so, wie sich die Menschen Jesus vorstellten, trug die Haare lang und einen Bart, lief barfuß, trug einen Talar oder nur einen Lendenschurz. Kurt Tucholsky nannte ihn "natürlicher Naturmensch von Beruf", das Volk den "Kohlrabiapostel". Seine unangepasste Lebensweise wie das Wohnen in einer Erdhöhle musste zu Konflikten führen, er wurde sogar entmündigt. Reisen führten nach Berlin, Capri, Ascona, Jerusalem, wohlgemerkt barfuß. Er heiratete dreimal, kaufte sich in Arendsee ein Grundstück und erbaute einen Paradiesgarten mit einer Tempelanlage, einem Sonnen- und Brausebad. Zum Lebensunterhalt trugen der Verkauf von Schriften, Postkarten, Naturprodukten, eigenen Dichtungen und Kompositionen bei. Nagel versuchte sich als Politiker und setzte sich für eine vereinfachte Orthographie nach Gehör ein.

Gustav Nagel ist wohl einer der berühmtesten Aussteiger seiner Zeit. Seine bemerkenswerte Lebens- und Wirkungsgeschichte und sein Aufenthalt als Wanderprediger in Weimar werden im Vortrag näher beleuchtet. Mit dokumentarischen Materialien aus ihrem Buch "gustaf nagel. Der Provokateur vom Arendsee" wird die Autorin Christine Meyer den Vortrag ergänzen. 

 

15. September 2021: " 'Bauhaus' wird wieder Bauhaus". Vor 75 Jahren scheiterte der Versuch, das Staatliche Bauhaus in Weimar fortzusetzen. - Dr. Norbert Korrek

 

Am 24. August 1946 wurde in der Weimarhalle die Hochschule für Baukunst und bildende Künste feierlich wiedereröffnet. Bereits im Juli 1945 war der Architekt Hermann Henselmann mit der Reorganisation der Hochschule beauftragt worden. Dass er dabei an pädagogische Traditionen vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten anknüpfen wollte, gebot die politische Vernunft. Henselmann musste jedoch seinen "Reorganisationsplan", der die erneuerte Hochschule vor allem an den Zielen und Aufgaben des Weimarer Bauhauses ausrichten wollte, wegen ideologischer Bedenken und zugunsten der drängenden Aufgaben des Wiederaufbaus schnell aufgeben. Die Auseinandersetzungen um die Fortführung des Bauhauses vollzog sich in einem zuweilen grotesken Widerstreit politischer und fachlicher Interessen. Spätestens 1951 wurde die Institution Bauhaus in der DDR für lange Zeit ins ideologische Abseits gestellt. 

 

20. Oktober 2021: Weimar im April 1945. Stadt und Lager Buchenwald unter amerikanischer Besatzungsverwaltung - Prof. Dr. Volker Wahl

 

Vor 75 Jahren bedeutete das Kriegsende 1945 eine Zäsur in der jüngeren Geschichte der Stadt. In den Blick genommen wird die historische Situation und Entwicklung nach der Befreiung vom NS-Regime, nachdem seit dem 11. April 1945 das Lagertor von Buchenwald geöffnet war und die bedingungslose Kapitulation vor der US-Armee am 12. April 1945 den endgültigen Untergang der Kulturstadt abgewendet hatte. Wie unter den Folgen der Besetzung durch eine Siegermacht die sich auftürmenden Probleme in Weimar und in dem ehemaligen Konzentrationslager im ersten Monat danach gemeistert wurden, wird auf Grund neuer Quellen geschildert. Dabei wird besonders an das erste neue Stadtoberhaupt, den zu Unrecht vergessenen Bürgermeister Erich Kloss (1879-1964), und an dessen Wirken und Leistung für Weimar in schwieriger Zeit erinnert.

Der Vortrag nimmt die historische Situation und Entwicklung Weimars nach der bedingungslosen Kapitulation des NS-Regimes 1945 in den Blick. Wie unter der Besetzung durch die US-Armee die sich auftürmenden Probleme in Weimar und im seit dem 11. April 1945 befreiten Konzentrationslager Buchenwald gemeistert wurden, wird anhand neuer Quellen näher beleuchtet. 

 

17. November 2021: Willi Kilbert - ein Weimarer Ingenieur und Bauunternehmer 1910 bis 1946 - Andreas Stötzner

 

Der Bauingenieur Willi Kilbert (1877-1946) wirkte von 1910 bis 1946 in Weimar als Bauunternehmer und war einer der ersten, der den Beton- und Eisenbetonbau hier etablierte. Er war an einigen wichtigen Bauvorhaben maßgeblich beteiligt, wie an der Schlosserweiterung (Littmannflügel), dem Goethe-Nationalmuseum, dem Schwanseebad, dem Kühlhaus des Schlachthofes. Kilbert war zeitweilig auch als Lehrer tätig und unterstützte Weimarer Künstler. In dem Vortrag werden bislang unveröffentlichte Dokumente zu seinem Leben und Wirken aus privaten und öffentlichen Archivbeständen gezeigt. 

 

8. Dezember 2021: Zeppelin Luftschiffe - Ein Symbol der Weimarer Republik - Sylk Schneider

 

Am Ende des ersten Weltkrieges waren die Zeppeline ein Symbol für die deutschen Bombenwerfer. Wie konnte in der Weimarer Republik daraus ein Friedenssymbol werden? Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 war der Bau von Luftschiffen in Deutschland untersagt. Hugo Eckener, der Leiter der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, konnte für den Bau der LZ 126 eine Ausnahmegenehmigung als Reparationsleistung erlangen. Durch die Überfahrt 1924 nach Südamerika wandelte sich das Bild in den USA vom bösen Deutschen zum guten Deutschen, dem eine umjubelte technische Meisterleistung gelungen war. Eckener und seine Zeppelin-Luftschiffe wurden zu besten Botschaftern der Weimarer Republik. Mit dem Beitritt zum Völkerbund 1926 wurde das Verbot zum Bau von Luftschiffen aufgehoben. Die Weltumfahrung des neu gebauten Luftschiffes LZ 127 "Graf Zeppelin" vom 14. August bis 4. September 1929 begründete Weltruhm. Bei einer Umfrage der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" wurde Hugo Eckener gar zum berühmtesten Zeitgenossen der Menschheit gewählt. - Mit dem Nationalsozialisten kam auch das Ende der Luftschifffahrt. Eckener schreibt in seinen Memoiren, der Zeppelin-Verkehr sei "durch Hitler zu Grabe getragen worden."

In dem Vortrag wird unter anderem der Frage nachgegangen, wie aus den Zeppelinen, die am Ende des Ersten Weltkriegs als Bombenwerfer eingesetzt worden waren, in der Weimarer Republik ein Friedenssymbol werden konnte.