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Stadtmuseum : Mittwochsvorträge 2020

Mittwochsvorträge 2020

Mittwochsvorträge 2020 des Vereins für Freunde und Förderer des Stadtmuseums im Bertuchhaus e.V.

Die Vorträge beginnen jeweils um 17.00 Uhr im Vortragsraum des Bertuchhauses.

 

15. Januar:  Der Festungsbau in Thüringen im 16.-18. Jahrhundert mit Betrachtungen zu den Stadt- und Schlossbefestigungen Weimars - Udo Hopf

Nach einem Überblick zu den Festungen Thüringens, zu denen 2018 ein Führer erschien, an dem der Referent maßgeblichen Anteil hat, geht er auf die Stadtbefestigung Weimars ein. Die Verstärkung der mittelalterlichen Stadtmauer mit einer vorgelegten Zwingermauer erfolgte, wie auch anderen Orts, nach dem Sächsischen Bruderkrieg. Der Bau der Artillerietürme, der für Thüringer Städte selten belegt ist, folgte ab 1510 und machte Weimar für wenige Jahrzehnte zu einer frühen Festung. Die Modernisierung mit barocken Bastionen hingegen blieb in den Entwürfen stecken. Lediglich an der Wilhelmsburg gab es unter Herzog Wilhelm IV., der sich selbst mit Festungsbau beschäftigte, den Beginn einer bastionären Fortifikation, die heute zumindest untertägig noch erhalten ist.

 

19. Februar: 91 Regeln für Schauspieler des Goethetheaters - Sabine Treiber

 Der Alltag am Theater des 18. und frühen 19. Jahrhunderts hat wenig zu tun mit dem, was uns heute vertraut ist. Noch in der Goethezeit waren die Schauspieler meist unausgebildet und oft vollkommen undiszipliniert. Um sich beim Publikum beliebt zu machen, ändern sie manchmal sogar spontan den Handlungsverlauf; jeder ist sein eigener Solist, Ensemblespiel unbekannt. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass ein Rollenbuch für alle genügen musste oder dass dem Soufleur eine tragende Rolle in der Inszenierung zukam. Das bedeutete viel Arbeit für den anspruchsvollen Intendanten und Regisseur (mitunter auch Bühnenbildner) Goethe. Regeln mussten her! Es wurden 91, der Extrakt aus seinen Vorstellungen zu Körpersprache und Stimme. Was verstand Goethe eigentlich unter Regie? Unterhaltsam berichtet die Referentin, die selbst als Dramaturgin gearbeitet hat, auch von den sonstigen Gepflogenheiten und Verhältnissen auf und hinter der Bühne: Wie kam eigentlich in einer Zeit ohne Elektrizität das Licht auf die Bühne und in den Zuschauerraum, wer legt die Kostüme fest (es gab noch keine Kostümbildner), wer durfte welche Rolle spielen, wie sah das Bühnenbild aus?

 

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18. März: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch in Thüringen. Ereignis und Deutung 1920-1989 - Christian Faludi/Marc Bartuschka

Vor 100 Jahren kam es in der jungen Weimarer Republik zu einem Staatsstreichversuch, der unter der Bezeichnung Kapp-Lüttwitz-Putsch in die Geschichte eingegangen ist. Epizentrum des gewaltsamen politischen Bebens war neben dem rheinisch-westfälischen Industrierevier die Region Thüringen. Hier entluden sich seit der Novemberrevolution stetig gewachsene Spannungen zwischen Sozialisten und bürgerlich-konservativen wie auch rechtsradikalen Kräften in bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Bei Kämpfen zwischen Reichswehr, Freikorps und Freischärlern mit bewaffneten Arbeitern und politischen Aktivisten kamen rund 250 Menschen ums Leben, weit mehr noch wurden verletzt. Die Ereignisse rissen tiefe Wunden in ein Land, das gerade dabei war, sich als einzige territoriale Neugründung in der Weimarer Republik zu vereinen. Der Vortrag will zum Anlass des 100. Jahrestages eine Rückschau wie auch eine Einordnung anbieten, die insbesondere Bezüge zur Weimarer Stadtgeschichte herstellt. Er korrespondiert dabei mit der zeitgleich im Stadtmuseum unter demselben Titel gezeigten multimedialen Wanderausstellung, die sowohl die vielschichtigen Ereignisse selbst als auch die Deutung des Putsches in der Weimarer Republik, dem "Dritten Reich" und der DDR in den Blick nimmt.

 

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15. April: Weimar im April 1945. Stadt und Lager Buchenwald unter amerikanischer Besatzungsverwaltung - Prof. Dr. Volker Wahl

Vor 75 Jahren bedeutete das Kriegsende 1945 eine Zäsur in der jüngeren Geschichte der Stadt. In den Blick genommen wird die historische Situation und Entwicklung nach der Befreiung vom NS-Regime, nachdem seit dem 11. April 1945 das Lagertor von Buchenwald geöffnet war und die bedingungslose Kapitulation vor der US-Armee am 12. April 1945 den endgültigen Untergang der Kulturstadt abgewendet hatte. Wie unter den Folgen der Besetzung durch eine Siegermacht die sich auftürmenden Probleme in Weimar und in dem ehemaligen Konzentrationslager im ersten Monat danach gemeistert wurden, wird auf Grund neuer Quellen geschildert. Dabei wird besonders an das erste neue Stadtoberhaupt, den zu Unrecht vergessenen Bürgermeister Erich Kloss (1879-1964), und an dessen Wirken und Leistung für Weimar in schwieriger Zeit erinnert.

 

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20. Mai: Palais Schardt - Goethepavillon - Elternhaus der Charlotte von Stein - Josef Brinkmann

Anhand von umfangreichen Unterlagen und Dokumenten in den Weimarer Archiven sowie restauratorischen und baubegleitenden Untersuchungen lässt sich die Geschichte des Hauses Scherfgasse 3 in Weimar gut rekonstruieren. Das ursprünglich monumentale Bauwerk wurde im Barock von einem Renaissancehaus zu Weimars bedeutendstem Stadtpalais umgebaut. Bis zu 2,20 Meter starke Außenwände und Funde im Keller deuten auf einen sehr alten Vorgängerbau hin. Im Vortrag wird auch kurz auf die Bedeutung der Familie von Schardt eingegangen.

 

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17. Juni: Weimar im Wandel der Zeit - Eine Zeitreise in Bildern - Rita Seifert

Nicht nur die Namen von Weimarer Straßen und Plätzen änderten sich im Laufe der Zeit. Auch die Bauten der Stadt waren durch unterschiedlichste Einflüsse immer wieder Veränderungen unterworfen. Sie reichen von kleineren Eingriffen bei der Fassadengestaltung bis hin zur kompletten Um- oder Neubauten von Häusern oder ganzen Straßenzügen. Anhand historischer Abbildungen lässt sich diese "Metarmorphose der Stadt" heute noch nachvollziehen. In ihrem Vortrag berichtet die Referentin über die kleinen und großen Veränderungen, die die Stadt seit dem späten 19. Jahrhundert geprägt haben. Zahlreiche historische Aufnahmen, die alten Fotografien oder Bildpostkarten entstammen, illustrieren au anschauliche Weise den Wandel der Stadt.

 

16. September: Zeppelin Luftschiffe - Ein Symbol der Weimarer Republik - Sylk Schneider

Am Ende des ersten Weltkrieges waren die Zeppeline ein Symbol für die deutschen Bombenwerfer. Wie konnte in der Weimarer Republik daraus ein Friedenssymbol werden? Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 war der Bau von Luftschiffen in Deutschland untersagt. Hugo Eckener, der Leiter der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, konnte für den Bau der LZ 126 eine Ausnahmegenehmigung als Reparationsleistung erlangen. Durch die Überfahrt 1924 nach Südamerika wandelte sich das Bild in den USA vom bösen Deutschen zum guten Deutschen, dem eine umjubelte technische Meisterleistung gelungen war. Eckener und seine Zeppelin-Luftschiffe wurden zu besten Botschaftern der Weimarer Republik. Mit dem Beitritt zum Völkerbund 1926 wurde das Verbot zum Bau von Luftschiffen aufgehoben. Die Weltumfahrung des neu gebauten Luftschiffes LZ 127 "Graf Zeppelin" vom 14. August bis 4. September 1929 begründete Weltruhm. Bei einer Umfrage der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" wurde Hugo Eckener gar zum berühmtesten Zeitgenossen der Menschheit gewählt. - Mit dem Nationalsozialisten kam auch das Ende der Luftschifffahrt. Eckener schreibt in seinen Memoiren, der Zeppelin-Verkehr sei "durch Hitler zu Grabe getragen worden."

 

21. Oktober: August Lehrmann, Stadtbaumeister 1908 - 1937. Eine Annäherung - Oliver Trepte

Im Stadtbild Weimars hat er nachhaltige Spuren hinterlassen. Obwohl seine städtebaulichen Projekte in den letzten Jahren wieder in den Blick gekommen sind, steht eine Bilanz noch aus. Vielmehr erschöpft sich das Wissen über sein Leben und Werk bisher in kurzen biografischen Annotationen. Wer war August Lehrmann, der 1909 die vergleichsweise schlecht dotierte Stelle des Weimarer Stadtbaurates bekam und sie fast drei Jahrzehnte behielt, bis er unter NS-Herrschaft 1937 aus dem Amt schied? Das "Kulturprojekt", die Neugestaltung des Jakobfriedhofes, die Siedlung Großmutterleite - zahlreiche seiner Arbeiten sind stadtbildprägend und noch immer in Benutzung. Im Bestreben "die bauliche Entwicklung Weimars über die gefährlichen Klippen der modernen Kunstanschauung und -einflüsse hinwegzubringen, ohne als rückständig zu gelten" (1928) liegt ein wirkmächtiger Versuch der Konstruktion städtischer Identität. War er Brückenbauer der Moderne oder konservativer Ausbremser ihrer Einflüsse? Der Vortrag versucht anhand der baulichen Hinterlassenschaften einen ersten Überblick über das widersprüchliche, doch noch nahezu unbekannte Erbe des Stadtbaumeisters August Lehrmann zu geben.

 

18. November: Naturmensch, Naturheiler, Religionsstifter, Tempelwächter, Wanderprediger - Gustav Nagel - Gundula Lilienthal

In der neu gestalteten Ausstellung im Neuen Museum wird der in Arendsee beheimatete Gustav Nagel (1874-1952) - wohl einer der berühmtesten Aussteiger seiner Zeit - kurz vorgestellt. Dass er als Wanderprediger auch in Weimar auftauchte, ist Anlass, einen kleinen Einblick in seine bemerkenswerte Lebens- und Wirkungsgeschichte zu geben. Beeinflusst von den Lehren des Pfarrers Sebastian Kneipp widmete er sich der Naturheilkunde und konnte sich mittels seiner neuen Lebensweise von seinen eigenen Leiden und Allergien befreien. Er wurde Vegetarier, kleidete sich so, wie sich die Menschen Jesus vorstellten, trug die Haare lang und einen Bart, lief barfuß, trug einen Talar oder nur einen Lendenschurz. Kurt Tucholsky nannte ihn "natürlicher Naturmensch von Beruf", das Volk den "Kohlrabiapostel". Seine unangepasste Lebensweise wie das Wohnen in einer Erdhöhle musste zu Konflikten führen, er wurde sogar entmündigt. Reisen führten nach Berlin, Capri, Ascona, Jerusalem, wohlgemerkt barfuß. Er heiratete dreimal, kaufte sich in Arendsee ein Grundstück und erbaute einen Paradiesgarten mit einer Tempelanlage, einem Sonnen- und Brausebad. Zum Lebensunterhalt trugen der Verkauf von Schriften, Postkarten, Naturprodukten, eigenen Dichtungen und Kompositionen bei. Nagel versuchte sich als Politiker und setzte sich für eine vereinfachte Orthographie nach Gehör ein.

 

16. Dezember: "Er hat weiter nichts gethan. als ausgeputzt" - Jacob Auch, Mechaniker am Hofe Carl Augusts in Weimar trifft Heinrich Kühn, Schlosser aus Gräfenroda - Rotraut Greßler

Der eine fertigte als Hofmechaniker astronomische Uhren, Groß- und Kleinuhren sowie Rechenmaschinen im Auftrage des Herzogs Carl August, der andere gründete 1816 eine Manufaktur in einem kleinen thüringischen Dorf und begann als selbständiger Schlosser Turmuhren zu bauen. Der eine gab sein Wissen an seinen Sohn Johann Jakob weiter, der nach seinem Vater nacheinander den Großherzögen Carl Friedrich und Carl Alexander diente, der andere hat seinem Sohn Friedrich die Firma 1843 übergeben. Diese wurde in vier Generationen der Familie bis 1946 geführt. - Die Referentin hat sich mit Leben und Wirken der beiden Protagonisten beschäftigt und stellt sie parallel zueinander und im Kontext der Zeitgeschichte mit Wort und Bild vor.