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Stadtmuseum : Mittwochsvorträge 2018

Mittwochsvorträge 2018

Mittwochsvorträge 2018 des Vereins für Freunde und Förderer des Stadtmuseums im Bertuchhaus e.V.

Die Vorträge beginnen jeweils um 17.00 Uhr im Vortragsraum des Bertuchhauses.

 

17. Januar:  Großherzog Carl Alexander und sein Oberhofprediger Wilfried Spinner - Rainer Krauß

Aus Anlass des 200. Geburtstags Großherzogs Carl Alexanders geht der Vortrag zwei Fragen nach, die bisher nicht erschöpfend erforscht und wenig im öffentlichen Bewusstsein verankert sind: Was verbindet Sachsen-Weimar-Eisenach unter Carl Alexander mit Japan und welche Rolle nimmt dabei der Theologe Wilfrid Spinner ein, den Carl Alexander nach dessen Japan-Mission zum Oberhofprediger beruft? - Das Thema gewährt aufschlussreiche Einblicke in die Handlungsstrategien Carl Alexanders speziell auf kirchenpolitischem Feld und zugleich auf seine Persönlichkeit. Aufs Engste damit verbunden zeigt sich der bemerkenswerte Lebensweg des Missionars und Weltreisenden Wilfrid Spinner. Kaum bekannt ist auch, auf welche bedeutsame Weise er nach seiner Rückkehr über zwei Jahrzehnte in Ilmenau und Weimar gewirkt hat. Denn Spinner war nicht nur als Seelsorger erfolgreich tätig, auch sein soziales Engagement war beachtlich.

 

21. Februar: "..., wie sehr ich in Gedanken im lieben Weimar fortlebe" - Zur Herkunft der Königin Augusta von Preußen - Michael Enterlein

Dieser Beitrag stellt eine der beiden älteren Schwestern des Großherzogs Carl Alexander (1818-1901) in den Mittelpunkt. Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811-1890) stand ihrem sieben Jahre jüngeren Bruder zeitlebens sehr nahe. Mit ihrem Aufstieg zur Königin von Preußen und zur ersten Deutschen Kaiserin an der Seite Wilhelms I. (1797-1888) gewann auch das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach an politischem Gewicht. Augustas Selbstbekenntnis als "Tochter Weimars", ihrer hier erfahrenen familiären wie landespolitischen Prägung geht dieser Vortrag nach.

 

21. März: "Der deutschen Photographenwelt größter Organisator" - Karl Schwier (1842-1920), Redakteur und Fotograf in Weimar - Axel Stefek

Von den Fotografen, die in Weimar im 19. Jahrhundert tätig waren, ist lediglich Louis Held noch allgemein bekannt. Doch er war bei weitem nicht der einzige Vertreter des fotografischen Gewerbes in der Residenzstadt, die sich - gefördert durch die Kulturpolitik des Großherzogs Carl Alexander - seit den letzten Jahrzehnten des ausgehenden Jahrhunderts zu einer Stadt des Fremdenverkehrs entwickelte und damit auch den Atelierinhabern neue Kundenkreise erschloss. Wenn die meisten in Weimar tätigen Fotografen der Frühzeit heute vergessen sind, hatte doch einer von ihnen ein weit über die Grenzen der Stadt hinausreichendes Ansehen erlangt: Hunderte Fotografen in ganz Deutschland kannten Karl Schwier (1842-1920) persönlich, tausende Fachkollegen lasen die von ihm über Jahrzehnte herausgegebene "Deutsche Photographen-Zeitung". In Berlin Assistent des wohl bedeutendsten deutschen Fotochemikers Hermann Wilhelm Vogel, wurde er im Deutsch-Französischen Krieg als Fotograf eingesetzt und ließ sich schließlich dauerhaft in Weimar nieder. Von hier aus leitete er über einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten den Deutschen Photographen-Verein, der gegen Ende des Jahrhunderts zum "wohl größten photographischen Fachverein der ganzen Welt" anwuchs. - Der Referent präsentiert Forschungsergebnisse zur Frühzeit der Fotografie und zugleich zur bislang kaum bekannten Rolle Weimars als deutschlandweites Zentrum der damals blühenden, neu entstandenen Gewerbes der Bildherstellung.

 

18. April: Die Geschichte des Sophienstiftsplatzes - Klaus-Peter Wittwar

Dort, wo sich heute der Sophienstiftsplatz befindet, herrschten bis 1874 noch mittelalterliche Verkehrsverhältnisse. Wasserläufe prägten die Gegend: Die mühlentreibende Lotte und als "großer Übelstand" der Wilde Graben, ein im besten Fall feuchter und schlammiger Hohlweg. Die etwas ungeordnet erscheinende Lage der heutigen Straßen und des Platzes mit allen sich daraus ergebenden Problemen ist vorbestimmt von jenen alten Wegen und Wasserläufen. Der Vortrag zeigt, wie nach den zum Teil gegenläufigen Planungen und Projekten aus der unregulierten Gegend um die alte Federwischmühle ab 1874 der Sophienstiftsplatz entstand, ein Platz, der im Grunde nur für wenige Jahrzehnte funktionieren konnte und der momentan seiner neuerlichen Umgestaltung harrt.

 

16. Mai: Das Torhaus des Weimarer Stadtschlosses. Historische Bauforschung an der Bastille - Udo Hopf

Zum Stadtschloss Weimar erschienen schon unzählige Veröffentlichungen, die sich aber nahezu ausschließlich mit dem Wiederaufbau des Schlosses nach der Brandkatastrophe von 1774 - mit dem Bau der Goethezeit - beschäftigen. Auch in der jüngsten zusammenfassenden Monographie zum Weimarer Residenzschloss beleuchtet Rolf Bothe die Bauentwicklung des Schlosses bis 1618 lediglich auf sechs Seiten. Auf das Ensemble der sogenannten Bastille und dessen Bauteile aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit wird darin kaum eingegangen. Dabei blieb gerade dieser Bereich bei den zwei verheerenden Bränden von 1618 und 1774 unbeschädigt. In den vergangenen Jahren ließ die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, zu deren Liegenschaften das Ensemble Bastille mit dem Torhaus, dem Hausmannsturm und dem Hofdamenhaus gehört, hier umfangreiche bauhistorische, restauratorische und bauarchäologische Untersuchungen vornehmen. Diese ergeben nun ein neues Bild der Baugeschichte der ältesten obertägig erhaltenen Bestandteile des Schlosses.

 

21. Juni: Weimar zwischen den Zähnen - Ess- und Trinkgeschichten einer Stadt - Bernhard Hecker

Jahrzehntelang war der Referent als Journalist, Kolumnist und Gerichtsreporter in Weimar unterwegs. Er schrieb über stadtbekannte Weimarer, über Ereignisse und Häuser dieser Stadt, wertete Gästebücher aus und notierte Anekdoten. In seinem 2017 erschienen Büchlein "Weimar zwischen den Zähnen..." erinnert der Autor mit historischem Sachverstand und feinem Humor an Gastwirtschaften und Spitzenrestaurants der Stadt, an traditionelle Speisen, an verloren geglaubte Düfte und Bräuche und nicht zuletzt an Menschen, die sich ums Essen und Trinken in Weimar verdient gemacht haben. Eine unterhaltsame Autorenlesung aus seinem neuesten Buch.

 

19. September: Goethes Fassade - Prof. Dr. Christian Hecht

Kein Gebäude Weimars kann es an Bedeutung und Bekanntheit mit dem Goethehaus am Frauenplan aufnehmen. Johann Wolfgang von Goethe war allerdings mit der barocken Fassade seines Wohnhauses nicht völlig zufrieden. Als Krönung des von ihm begonnen Umbaus wollte er eine moderne klassizistische Fassade errichten lassen. Dazu kam es bekanntlich nicht. Oder jedenfalls nicht am Frauenplan. Was Goethe ursprünglich plante und wie es kommt, dass diese Fassade - was bisher nicht bemerkt wurde - in leicht veränderter Form an einem anderen Ort ausgeführt wurde, soll in diesem Vortrag dargestellt werden.

 

17. Oktober: Der Bildhauer Dr. Johannes Friedrich Rogge (1898-1983) im Briefwechsel mit Helmut Holtzhauer bezüglich seiner in Weimar befindlichen Werke - Dr. Gabriele Oswald

Der Philosoph und Historiker Dr. Johannes Friedrich Rogge wandte sich erst 1922 der Malerei, zwei Jahre später der Plastik zu, wobei er sich , wie er selbst sagte, seine Art zu Gestalten im Selbststudium erarbeitete. Im Atelier von Paul Türpe konnte er sich technisches Rüstzeug aneignen. 1923 fertigte er eine kleine Bronzestatuette der Tänzerin Mary Wigmann, die er 1930 auf der Großen Berliner Kunstausstellung mit Erfolg zeigte. Es schlossen sich Porträtarbeiten an, sowohl von Potentaten des Dritten Reiches als auch von Staatsmännern der DDR, von Dichtern und anderen bedeutenden Persönlichkeiten. Seit Mitte der 1950er Jahre erhielt Rogge jedoch immer weniger offizielle Aufträge von staatlicher Seite. Der Grund waren Bildnisse, die er in der Zeit des Nationalsozialismus geschaffen hatte, allen voran von Hitler und Göring. Seine Beschwerden über die Ausgrenzung und auch zur Kritik Otto Nagels, der seit 1956 Präsident der Akademie der Künste der DDR gewesen ist, halfen ihm hierbei wenig. - In dieser Zeit wurde der Kontakt zu Helmut Holtzhauer für ihn besonders wichtig. Immer wieder wandte er sich in Briefen an den Generaldirektor der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten, der dieses Amt seit 1953 bekleidete. Ihm war es möglich, Rogge zumindest hin und wieder mit einer Porträtarbeit zu beauftragen. Auch sandte ihm der Künstler des Öfteren Abbildungen von Bildnissen zu, die er gerade bearbeitete, verbunden mit der Bitte, ob diese nicht in Holtzhauers Wirkungskreis einen Platz finden könnten. Vor allem von diesem Briefwechsel und den damit verbundenen Porträtarbeiten, eingebunden in Rogges Gesamtschaffen, soll im Vortrag die Rede sein.

 

21. November: "Ich habe alles getan, was ich konnte. Ich hatte noch viel Gutes vor" - Die Abdankung von Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach am 09. November 1918 - Manuel Schwarz

Über den Militärflughafen Nohra bei Weimar gelangten am 8. November 1918 Revolutionäre in die Residenzstadt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Bereits am Nachmittag bildete sich ein provisorischer Soldatenrat, und am Abend fand eine große Demonstration durch die Stadt zum Residenzschloss statt. Tags darauf entstand ein Arbeiterrat. Am Mittag des 9. November 1918 bat Großherzog Wilhelm Ernst schließlich den Sozialdemokraten August Baudert ins Schloss, um mit ihm die Lage zu besprechen. Der Lauf der Geschichte war allerdings nicht mehr zu ändern: Die Revolutionäre arbeiteten am Nachmittag eine Abdankungsurkunde aus, die der Regent am Abend nach geringfügigen Korrekturen unterschreiben musste. Damit endete in Weimar, wie in diesen Tagen überall im Deutschen Reich, die jahrhundertelange Herrschaft der Monarchen. Für Großherzog Wilhelm Ernst war es das vorzeitige Ende seiner Regierungszeit, in der er eine Vielzahl von Projekten angestoßen und gefördert hatte. 

 

12. Dezember: Das doppelte Bauhaus - Dr. Frank Boblenz

Das "Staatliche Bauhaus" war seit seiner Gründung im April 1919 politisch umstritten. Als jedoch 1924 das bürgerlich-konservative Parteienbündnis aus den Landtagswahlen als Sieger hervorging, betrieben die Gegner des Bauhauses verstärkt dessen Abwicklung. Nach erfolglosen Verhandlungen entschloss sich der Meisterrat, die Auflösung des Weimarer Instituts zum 1. April 1925 zu erklären. Eine Alternative zur Weiterführung der Schule fand sich in Dessau, wohin ein Teil der Lehrkräfte unter Gropius sowie Studenten wechselten. Im April 1925 wurde dort "das bauhaus dessau" als neues städtisches Institut gegründet. Das Staatliche Bauhaus Weimar blieb als Institution bis zum 31. März 1926 bestehen. Damit bestand das "Bauhaus" faktisch institutionell und nominell doppelt, aber mit unterschiedlicher Ausprägung. In Weimar wurden die Werkstätten zwar weiter betrieben, eine Ausbildung im umfassenden Sinne des Bauhauses erfolgte jedoch nicht mehr. Die Übergangszeit wurde vor allem für die Neuorganisation des Schulbetriebs, zur Klärung der Urheberrechtsfrage an Erzeugnissen sowie zur Regelung der Verwendung des Namens "Bauhaus" genutzt. - Am 1. April 1926 trat an die Stelle des Staatlichen Bauhauses Weimar die Staatliche Hochschule für Handwerk und Baukunst, die Otto Bartning leitete. Einige Bauhäusler, so Otto Lindig und Erich Dieckmann, wurden als Werkstattleiter übernommen und waren dort bis zur Schließung der Bauhochschule im Jahr 1930 tätig. - Der Vortrag widmet sich der Geschichte des Weimarer Bauhauses in der bisher nur ungenügend untersuchten Zeit vom 1. April 1925 bis 31. März 1926.