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Stadtmuseum : Mittwochsvorträge 2017

Mittwochsvorträge 2017

Mittwochsvorträge 2017 des Vereins für Freunde und Förderer des Stadtmuseums im Bertuchhaus e.V.

Die Vorträge beginnen jeweils um 17.00 Uhr im Vortragsraum des Bertuchhauses.

 

18. Januar:  1617 - Die Fruchtbringende Gesellschaft wird gegründet - Dr. Detlef Ignasiak

Die Fruchtbringende Gesellschaft, wegen ihres Symbols auch Palmenorden  genannt, wurde 1617, also vor 400 Jahren, in Weimar gegründet. Sie war die erste literarische Vereinigung Deutschlands. Ihre Stifter waren mitteldeutsche Adelige, die in Italien, vornehmlich in Florenz, die damals dort blühende volkssprachige Dichtung bewundert haben. Sie war auf der Höhe der Zeit und stand den Dichtungen der Antike, die man als Muster empfand, in nichts nach, während die deutschen Dichter lateinisch schrieben, das Deutsche nur im volksliederhaften Kirchenlied Verwendung fand. Was zum Beispiel die Meistersinger um Hans Sachs dichteten, war den Fruchtbringern viel zu klappernd. Die Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft (das waren bis zu ihrem Ende ausgangs des 17. Jahrhunderts 900) wollten die deutschen Humanisten anregen, deutsche Verse zu schreiben und Dichtungen aus den romanischen Ländern adäquat ins Deutsche zu übertragen. Schon bald waren sie erfolgreich. 1624 veröffentlichte Martin Opitz das "Buch von der deutschen Poeterey", auf das alle klassische Dichtung der Deutschen zurückgeht. Der Weimarer Dichter Georg Neumarck war von 1653 bis zu seinem Tod 1681 Sekretär der Gesellschaft. In dieser Zeit gehörten die wichtigsten deutschen Dichter der Gesellschaft an, erfuhren Förderung und konnten über Weimar, dem Sitz der Gesellschaft, miteinander kommunizieren. Die Bedeutung der Fruchtbringenden Gesellschaft ist also kaum zu überschätzen.

 

15. Februar: Luftschutz in Weimar 1933-1945 - Klaus Mebus

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Luftschutz in Deutschland vereinheitlicht und systematisch ausgebaut, was der Vorbereitung eines zukünftigen Krieges diente. Auch in Weimar wurden Organisationsstrukturen geschaffen und Luftschutzmaßnahmen geplant und umgesetzt. Angesichts der zunehmenden Bedrohung von Städten in Mitteldeutschland, im Verlauf des Zweiten Weltkrieges selbst Opfer von Luftangriffen der Alliierten zu werden, wurden diese Maßnahmen verfeinert und intensiviert. Der Vortrag soll einen Überblick über die Entwicklung des Luftschutzes in Weimar, die Einbindung der gesamten Bevölkerung, die getroffenen Maßnahmen und eine Einschätzung ihrer Wirksamkeit geben. Ergänzend zu den Ausführungen werden auch heute noch in Weimar zu findende Spuren des Luftschutzes aus der damaligen Zeit gezeigt.

 

15. März: "Warum kann ich nicht zuweilen Minister sein"- Amalie Winter, eine eigenwillige Autorin der Weimarer Klassik - Dr. Ulrike Müller

Amalie Winter (1802-1879) gehört zur Generation der ungehorsamen Töchter der Weimarer Klassik. Ihre wichtigste Weimarer Freundin war die fünf Jahre ältere Ottilie von Goethe. Dem geistigen Anspruch und dem Bildungsideal dieser Epoche bleibend verbunden, mischte sie sich, wie ihre Berliner Freundin Bettina von Arnim, in gesellschaftliche Debatten des politisch, technisch und sozial so bewegten 19. Jahrhunderts ein. Standesdenken und Karrierestreben waren ihr zuwider, sie stritt für Emanzipation der Frauen und der Juden sowie gegen die soziale Verelendung. Ihrer Zeit voraus, wirbt sie in ihren pädagogischen Schriften dafür, Kindern elementare Menschenrechte zuzubilligen und deren Erziehung nicht auf Strafandrohung, sondern auf Ermutigung und Zuwendung zu gründen. In der Weimarer Öffentlichkeit erregte nicht nur ihr freies Liebesleben Anstoß, sondern auch ihre enge Freundschaft mit dem Erbgroßherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Im Mittelpunkt einer kleinen feinen Werkausgabe, die Ulrike Müller 2016 herausgegeben hat, steht Amalie Winters zeitkritisches Märchen "Das Frauenherz". Grundiert und ergänzt wird der Text durch zwei Skizzen zu Biografie und Werk, mit denen die Herausgeberin Leserinnen und Leser dazu einlädt, diese "charmante Unbekannte" und ihr Werk neu - oder wieder - zu entdecken. Darüber hinaus lässt sich ein interessanter Einblick in die Entwicklung weiblichen Schreibens zwischen Nachklassik und 48er-Revolution im Kontext einer ganzen Epoche gewinnen.

 

19. April: Wo sind Weimars Bäche geblieben? - Dr. Gerd Schüler

Die Stadt erhielt ihren Namen nach einem geheiligten Feuchtgebiet und liegt in der "Weimarer Mulde", in die mehrere Bäche fließen. Aber in der Stadt bemerkt man heute nur noch wenig davon. Wo sind die Bäche geblieben, wie sind sie verschwunden, wo waren sie und was ist jetzt davon noch zu finden? Darauf will der Vortrag Antworten geben.

 

17. Mai: Brennholz für Weimar: Alte Feuerstellen und die Brennholzflößerei auf der Ilm - Torsten Lieberenz

Seit der Besiedelung unserer Region diente Holz als Wärmequelle und zum Zubereiten von Speisen. Spuren von Ofen- und Herdstellen finden sich daher in den meisten alten Gebäuden. Neben den städtischen Haushalten war der Weimarer Hof der größte Verbraucher an Brennholz. Vorgestellt werden Feuerstellen im ehemaligen Residenzschloss, in der Orangerie Belvedere, in der ehemaligen Färberei im heutigen Wittumspalais und die älteste erhaltene Feuerstelle in einem Wohnhaus in Gaberndorf aus dem Jahr 1462.

Jahrhunderte lang transportierte man große Mengen des Brennholzes aus dem Thüringer Wald auf der Ilm nach Weimar. Das Zeitalter der Flößerei endete mit dem Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz 1846. Eine Spurensuche zeigt die längst vergessenen Floßholzplätze und die einst stadtbildprägenden Floßholzstapel am Ilmufer auf dem Schloss gegenüber liegenden Seite.

 

21. Juni: Friedrich Justin Bertuchs vergessenes Papiertapetenkabinett - Margarethe Oppel und Dorothee Proft

Nicht nur im Journal des Luxus und der Moden befruchtete Friedrich Justin Bertuch die Diskussionen um moderne Innenraumgestaltung mit Papiertapeten; er schuf Ende der 1790er Jahre in seinem Haus am Baumgarten ein klassizischtisches Bilderkabinett mit einem ausgeklügelten Bildprogramm, das aktuelle Fragen der damaligen Altertumswissenschaft widerspiegelte. Dieses Bilderkabinett, von Eduard Scheidemantel als "einzig in seiner Art" gewürdigt, rettete der verdienstvolle Weimarer Philologe und Museumsmann 1931 vor der Zerstörung durch die Baumaßnahmen im Umfeld des Baus der Weimarhalle. Zunächst im Kirms-Krackow-Haus ausgestellt, wurden die Tapetenbilder 1958 ins Dornburger Renaissanceschloss verbracht, wo sie im Jahr 2000 wieder abgenommen und schließlich im Magazin der Klassik Stiftung Weimar in Vergessenheit gerieten. Fünfzehn Jahre später haben Margarete Oppel und Dorothee Proft das ursprüngliche Aussehen des Bilderkabinetts rekonstruiert und sich auf Spurensuche zu seiner Geschichte begeben. Im Rahmen des Vortrages stellen sie wichtige Ergebnisse ihrer Forschungen vor.

 

20. September: Der Olof-Palme-Friedensmarsch am 19. September 1987 in Weimar - Axel Stefek

Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren wurde Weimar Schauplatz eines ganz außergewöhnlichen Ereignisses. Vom Ettersberg näherte sich ein Zug von mehreren hundert Demonstranten. Die Teilnehmer trugen Schriftbänder mit Forderungen vor sich her, die an die Staatsführung gerichtet waren. "Abrüstung in Schulen und Kindergärten" - das war damals offene Kritik, beinahe eine Anklage, konnte zumindest als Provokation verstanden werden. Doch die Veranstaltung verlief ungestört, ohne sichtbares Eingreifen der Sicherheitsorgane. Was war die Vorgeschichte dieser einzigartigen Kundgebung, die es vergleichbar auch in einigen wenigen anderen Orten gegeben hatte? Und wer waren die Akteure in Weimar? Übrigens kam genau an jenem Wochenende ein weiteres überregional beachtetes politisches Signal aus Weimar: Die Besiegelung der deutsch-deutschen Städtepartnerschaft mit Trier. War das Aufeinandertreffen der beiden Ereignisse Zufall?

 

18. Oktober: Der Oberleitungsbus in Weimar 1947 bis 1993 - Konrad Spath

Bereits 1937, als die Straßenbahn ihren Betrieb einstellte, benannte ein Gutachten den Oberleitungsbus als das geeignetste Verkehrsmittel für die Stadt. Aber erst 1946 begann man, ein O-Bus-System aufzubauen. Über 45 Jahre wurde der elektrische Busbetrieb trotz zeitweiliger mannigfaltiger Schwierigkeiten beibehalten, bis 1993 die Einstellung erfolgte. Der Vortrag beleuchtet die Entwicklung dieses umweltfreundlichen Nahverkehrsmittels in Weimar und das Schicksal der Fahrzeuge. Ein "fotografischer Spaziergang" führt 24 Jahre nach dem Abbau der Oberleitung zu den Relikten in der Stadt, die heute noch an dieses Kapitel der Verkehrsgeschichte erinnern.

 

15. November: Zum Wandel der Bestattungskultur - Thüringer Brauchtum einst und jetzt - Gabriele Steinborn

Die Referentin spricht über die Aufbewahrung von Verstorbenen in den letzten 200 Jahren bis heute: Hausaufbewahrung, Aussegnung, Leichenhaus/Hufeland, 1906 neues Friedhofsgebäude, die Zeit der DDR und aktuelles Bestattungsgesetz Thüringen von 2004, das Hausaufbewahrung bis zu 48 Stunden erlaubt. Sie verdeutlicht das Brauchtum im Umkreis von Sterben, Tod, Beerdigung und Trauer, welches wie jedes Brauchtum regionale Unterschiede aufweist. An diesem Abend wird es um Weimar gehen, nicht zuletzt, weil von hier eine entscheidende Veränderung ausging.

An der Aufbewahrungspraxis lässt sich aber ablesen, wie sich Brauchtum mit dem jeweiligen Wissensstand und der Grundhaltung einer Gesellschaft verändert.

 

13. Dezember: "...in civitate nostra Wimare..." - Die Entwicklung Weimars zur Residenzstadt - Dagmar Blaha

Der Vortrag zeichnet die Entwicklung Weimars vom Zentralort im 10./11. Jahrhundert bis zur reichsfürstlichen Residenzstadt Anfang des 16. Jahrhunderts nach. Die Aktivitäten der Grafen von Weimar-Orlamünde und der Wettiner zum Ausbau von Burg und Stadt stehen dabei im Mittelpunkt. Außerdem werden die Auswirkungen des herrschaftlichen Hofes auf die Sozialstruktur und die kulturelle Entwicklung der Stadt sowie die Wechselwirkungen zwischen Hof und Stadt untersucht.