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Begegnungen mit "dem Anderen"

Begegnungen mit „dem Anderen“ – Flüchtlinge, Kriegsgefangene und Internierte in Thüringen/Sachsen in Vergangenheit und Gegenwart

Stadtmuseum Weimar, Karl-Liebknecht-Str. 5-9, 99423 Weimar

Eröffnung: Donnerstag, 03.03.2016, 17.00 Uhr

Dauer: Freitag, 04.03.2016 bis Sonntag, 24.04.2016

Begegnungen mit „dem Anderen“ finden gegenwärtig allerorten in Deutschland und Europa statt. Aus diesem Anlass präsentiert der Dresdner Verein Spuren e.V. im Stadtmuseum Weimar eine Kabinettausstellung. Die Ausstellung beleuchtet die Lebenssituation von Flüchtlingen, Kriegsgefangenen und Internierten im 2. Weltkrieg.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung mit Zeitzeugengesprächen, Workshops und Filmvorführungen, die sich mit den Folgen von Flucht, Vertreibung und Migration befassen. Dabei werden Fragen der Gegenwart mit den Erfahrungen der Vergangenheit verbunden. Das Rahmenprogramm findet vom 4.3. - 13.3.2016 im Stadtmuseum Weimar statt, mit zusätzlichen Programmen im Stadtmuseum Erfurt und Stadtmuseum Dresden.

Wir laden Sie recht herzlich zur Ausstellungseröffnung am 3.3.2016 um 17 Uhr im Stadtmuseum Weimar ein. Zur Ausstellungseröffnung sprechen Dr. Alf Rössner (Stadtmuseum Weimar); Dr. Michael Luick-Thrams (Direktor von Spuren e.V.) sowie Prof. Dr. Jörg Seiler (Universität Erfurt)

Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperationsveranstaltung des Stadtmuseums Weimar und Spuren e.V. Dresden/Erfurt (www.DE.TRACES.org). Sie wird unterstützt von der Quäker-Hilfe e.V. und der Dresdner Quäker-Gruppe über den Small Grants Fund der FWCC-EMES.

 

Rahmenprogramm (alle genannten Veranstaltungen finden im Stadtmuseum Weimar statt):

Freitag/Friday, 4.3.2016, 17:00-18:30 Uhr

„Plötzlich war ich Jude!“ Sogenannte „Nicht-Arier“ und andere „Unerwünschte“ während der NS-Zeit [“Suddenly, I was a Jew!” So-called “Non-Aryans” and other “Undesirables” during the Nazi Era]

Schon in den frühen 30er Jahren wurden Sozialisten und andere politische Gegner von den Nazis misshandelt. Bald aber war die Mehrheit der Verfolgten sogenannte „Nicht-Arier“. Viele davon waren nicht-praktizierende Juden, die sich mit ihrer jüdischen Herkunft gar nicht identifizierten. Dr. Lucinda Martin (Forschungszentrum Gotha/Universität Erfurt) führt eine Studie zu der Rolle der Quäker bei der Rettung Tausender dieser “Anderen” durch. In ihrer Präsentation wird sie Filmauszüge aus ihren Interviews mit diesen „Nicht-Ariern“ zeigen, in dem die Zeitzeugen aus ihren Erinnerungen erzählen. Diejenigen aus dem Publikum, die ihre eigenen Geschichten aus dieser Periode haben, werden ausdrücklich dazu eingeladen, an der anschließenden Diskussion teilzunehmen.

Samstag/Saturday, 05.03.2016, 18.00-20.30 Uhr

Vorführung des Filmes „Bonne nuit Papa“ (in deutscher Sprache) [showing of the film „Good night, Papa“ (in German)]

Begleitet wird der Film von Monika Bethmann, deren Tochter die Regisseurin und eine der Protagonistinnen des Films ist. Sie erzählt von ihrem Leben mit einem asiatischen Ausländer in der DDR. Anschließend Publikumsdiskussion. Weitere Informationen finden Sie unter : www.sterntaucher-filmproduktion.de

Sonntag/Sunday, 6.3.2016, 13:30-14:30 Uhr im Stadtmuseum Weimar

Dr. Torsten Müller: Flüchtlinge nach dem 2.WK in Thüringen [Refugees in Post-WWII Thuringia]

Dr. Torsten Müller (Eichsfelder Heimatmuseum, Bad Heiligenstadt) spricht über das Thema der Integration von Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg in Thüringen. Er nimmt hierbei v.a. kirchliche Integrationsprozesse in den Blick.

Sonntag/Sunday, 6.3.2016, 17:00-18:30 Uhr

Dr. Michael Luick-Thrams: „Siedler und Scarecrows“: Sieger werden „Opfer“ [Winners become Victims]

Der Urgroßvater von Dr. Michael Luick-Thrams, George Luick, war in den 20er Jahren Mitglied im Ku-Klux-Klan, was erst in jüngster Vergangenheit ans Licht kam. Wie kann man mit solchen dunklen Seiten der eigenen Familiengeschichte umgehen? Welche Bedeutung hat das für die Nachfahren?

Montag/Monday, 7.3.2016, 18:00-20:00 Uhr

Dr. Michael Luick-Thrams: Zuflucht in der Prärie: Flüchtlinge in Iowa, 1939-43 [WWII Refugees in Iowa]

Während der NS-Zeit nahmen Farmer und Studenten in Iowa 185 Juden, Politiker und andere Personen, auch aus Dresden, Leipzig und Chemnitz, als Flüchtlinge auf. Warum taten sie das? Was bedeutete dies für alle Beteiligten, was für ihre Nachkommen? Was lernen wir für heute? Wir betrachten das von den Quäkern als Zufluchtsort betriebene „Scattergood Hostel“ (www.scattergood.org/scattergood-hostel) und fragen danach, ob dies heute als Modell dienen kann.

Im Anschluss daran folgt ein Kurzvortrag über Marie Juchacz:

Lydia Struck, Kulturwissenschaftlerin M.A. und Autorin von „Marie Juchacz – Briefe aus dem Scattergood Hostel“ [Marie Juchacz‘ Letters from Scattergood Hostel]

Marie Juchacz –SPD-Politikerin und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) – fand im Alter von 62 Jahren Zuflucht im „Scattergood Hostel“. Welche Wirkung hatte die Hilfe der Quäker auf ihr Leben, die Gründung der „Arbeiterwohlfahrt New York“, den Versand von „Care Paketen“ und die Neugründung der AWO in Deutschland?

Der Zeitzeuge Günther „George“ Krauthamer wird über seine Begegnung mit Frau Juchacz in den USA sprechen. Seine Mutter kam aus Chemnitz und war evangelisch; sein Vater war jüdischer Pole.

Dienstag/Tuesday, 8.3.2016, 18:00-20:00 Uhr

Dr. Luick-Thrams: Der ‚Dream‘ wurde ‚Albtraum‘: Internierte in den USA, 1941-48 [German Internees]

Während des 2.Weltkrieges internierte die US-Regierung etwa 15.000 deutsch-stämmige Männer, Frauen und (einige Tausend) Kinder in etwa 60 Lagern. Etliche wurden ins „Dritte Reich“ „repatriiert“ — teilweise im Tausch gegen von Nazis gefangene US-Amerikaner. Unter den Deportierten waren auch Juden und deutsche Flüchtlinge. Wie konnte das sein? Ausschnitte eines Kurzfilmes geben Hinweise: www.traces.org/programs-link-contents/CC-camp.html.

Anneliese Krauter (geb. Wiegand; *1935 in New York) wurde von der US-Regierung mit ihren deutschen Eltern im Camp Crystal City (Texas) interniert und später „repatriiert“ ins „Dritte Reich“, wohin ihr Vater zur Verwaltung in ein Kriegsgefangenlager in Thüringen für Alliierte einberufen worden war. Seit den 50er Jahren lebte sie wieder in den USA (Indiana). Über ihre außergewöhnliche Familiengeschichte hat sie ein Buch geschrieben. Sie wird über ihre Lebenserfahrungen berichten und ihr Buch vorstellen.

Mittwoch/Wednesday, 9.3.2016, 18:00-19:30 Uhr

Dr. Michael Luick-Thrams: „Ihr unter uns“: Kriegsgefangene aus dem Mittleren Westen in deutschen Internierungslagern, 1943-45 [Midwest POWs in the 3rd Reich, 1943-45]

Etwa 95.000 US-amerikanische Kriegsgefangene waren während des 2. Weltkrieges in die Hände der deutschen Wehrmacht geraten—viele aus dem Mittleren Westen der USA. Ihre Begegnungen mit der deutschen Wachmannschaft, mit Bauern und der Bevölkerung zeigen dunkle Seiten, aber auch Mut und Humanität. Wir werden aus ihren Tagebüchern über das Leben in den Lagern vorlesen.

Donnerstag/Thursday, 10.3.2016, 18:00-19:30 Uhr

Dr. Michael Luick-Thrams: „Wir unter euch“. Deutsche Kriegsgefangene im Mittleren Westen 1943-46 [German POWs in the US, 1943-46]

Im zweiten Weltkrieg wurden mehr als 380.000 deutsche Kriegsgefangene in US-amerikanischen Lagern interniert. In Ostdeutschland war dies nach deren Rückkehr ein Tabuthema. Die Verbindungen zwischen deutschen Kriegsgefangenen und ihren „Gastgebern“ in den USA sind bis heute Stoff von Legenden.

Freitag/Friday, 11.3.2016, 18:00-20:00 Uhr

„Wurzeln-Wege-Wünsche“: Ein Film über und mit Flüchtlingskindern [Film about and by Refugee Kids]

Im Zentrum des kurzen Dokumentarfilms stehen geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Übergangsklasse der Mittelschule Weidenberg. Sie erzählen, woher sie kommen, wie ihr Weg nach Deutschland aussah, wie ihr Leben jetzt aussieht und was sie sich für die Zukunft wünschen. Wir werden den Film anschauen und hierüber mit dem Regisseur diskutieren, der sensibilisiert für ein aktuelles und komplexes Thema. Sagy Cohen, ein israelischer Autor, lebt seit 2007 in Bayreuth. Als Integrationstrainer ist Sagy tätig in der Bildungsarbeit zu den Themen „Toleranz,“ „Jüdisches Leben“ und Flüchtlingshilfe.

Samstag/Saturday, 12.3.2016, 10:00-12:00 Uhr (kostenlos; aber Voranmeldung erbeten unter: staff@TRACES.org)

Workshop, Teil I: „Worte zwischen Welten“: Wir schaffen Begegnungen und Austausch zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen [Workshop “Words between Worlds”: Encounters and Exchange]

Der Workshop will interkulturelle und interreligiöse Kompetenz durch Dialogprozesse vermitteln. Zunächst stellen die Referenten ihre Herkunftsfamilien und die Kultur der Herkunftsländer vor. Davon ausgehend reflektieren wir Kulturdifferenzen und -prägungen. Was ist in diesem Prozess erlaubt und was sind Tabus? Was wünschen wir uns für unser Leben und für unsere Wahlheimat in Zukunft?

Referenten sind: Sagy Cohen (1977; Tel Aviv, Israel), Miriam Taani (1978; Amman, Jordanien) und Michael Luick-Thrams (1962; Mason City, Iowa/USA)

Samstag/Saturday, 12.3.2016, 14:00-17:00 (kostenlos; aber Voranmeldung erbeten unter: staff@TRACES.org)

Workshop, Teil II: „Worte zwischen Welten": Wir schaffen Begegnungen und Austausch mit Fremden in einem fremden Land [Workshop “Words between Worlds: Encounters and Exchange of Strangers]

Fortsetzung des Gespräches vom Vormittag, begleitet von Björn Rohde-Liebenau und Haitham Khalaf aus Syrien, die seit März 2015 in einer Gemeinschaft von Menschen aus Deutschland und Syrien zusammen erleben. Im Zusammenleben versuchen sie, sich gegenseitig ihre sich wandelnden Heimaten näherzubringen. Hierzu braucht es Schutz und Identität, Zusammengehörigkeit und Respekt. Ein Gespräch „zwischen Welten“, mit dem Ziel, dass alle gehört werden.

Samstag/Saturday, 12.3.2016, 18:00-19:30 Uhr

Sagy Cohen: „Jene unter uns“: Juden und Muslime im deutschen Raum [Jews & Muslims in Germany]

Vortrag: „Deutschlands Flüchtlingsgeschichte von Nahost zu Nahost“ [Lecture: Mideast Refugees]

Flüchtlingskrise: Wiederholt sich die Vergangenheit? Denn schon vor etwa 800 Jahren kamen Flüchtlinge nach Deutschland, deren ursprüngliche Wurzeln im Nahen Osten waren – Juden. Mit einer anderen Sprache, anderen Sitten und anderer Religion wanderten sie in Deutschland ein. Wie diese Geschichte endet, wissen wir alle. Haben wir daraus gelernt? Sagy Cohen verbindet in seinem Vortrag Fragen der Gegenwart mit den Erfahrungen der Vergangenheit.

Sonntag/Sunday, 13.3 2016, 10:30-12:00 Uhr im STADTMUSEUM ERFURT: Johannesstraße 169, 99084 Erfurt; 0361.6555659; www.stadtmuseum-erfurt.de

Workshop, Teil I: „Immer ‚der Andere‘—egal wo“: Das Leben eines Flüchtlings [A Refugee’s Life: 1]

Salomea Genin (*1932 in Berlin) flüchtete im Mai 1939 mit ihrer jüdischen Familie vor den Nazis nach Australien. 1944 wurde sie Jungkommunistin und trat 1949 der Kommunistischen Partei bei, als diese verboten wurden. 1951 war sie Mitglied der australischen Delegation bei den Weltjugendfestspielen in Ostberlin. 1954 kehrte sie nach Berlin zurück, um in der DDR ein besseres, antifaschistisches Deutschland mitaufzubauen. Doch ließ die DDR sie nicht einreisen. So lebte sie zunächst in Westberlin. 1963 durfte sie nach Ostberlin umsiedeln und wurde Mitglied der SED. 1982 kam die Erkenntnis: Sie hatte mitgeholfen, einen Polizeistaat zu schaffen! Salomea Genin berichtet über ihr bewegtes Leben.

Sonntag 13.3.2016, 15:00-17:00 Uhr im STADTMUSEUM WEIMAR

Workshop, Teil II: „Immer ‚der Andere‘—egal wo“: Das Leben des Anderen [“The Other’s” Life: 2]

Diskussion mit Salomea Genin, Michael Luick-Thrams, Jörg Seiler und anderen über das Thema „Begegnungen mit ‚dem Anderen‘:“ Wie gehen wir mit unseren Erfahrungen des Andersseins und unserer Wahrnehmung „des Anderen“ um?