Bild des Stadtmuseeums

Bilder der Eröffnung der Ausstellung Ernst Feder - ein Journalistenleben zwischen Weimarer Republik, Exil und Goethe

Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Weimar Stefan Wolf (Foto: Walter Steiner)
Grußwort des brasilianischen Gesandten Roberto Colin (Foto: Sylk Schneider)
Einführung in die Ausstellung durch den Kurator Sylk Schneider (Foto: Walter Steiner)
 

Grußwort des Gesandten Ministro Roberto Colin

GRUSSWORT DES HERRN GESANDTEN ROBERTO COLIN ANLÄSSLICH DER ERÖFFNUNG DER AUSSTELLUNG

DR. ERNST FEDER – EIN JOURNALISTENLEBEN ZWISCHEN WEIMARER REPUBLIK, EXIL UND GOETHE

AM 13. MAI 2011 IM STADTMUSEUM WEIMAR

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolf, sehr geehrter Herr Sylk Schneider, meine Damen und Herren,

 

mit großer Freude nehme ich heute an der Eröffnung der Ausstellung "DR. ERNST FEDER – EIN JOURNALISTENLEBEN ZWISCHEN WEIMARER REPUBLIK, EXIL UND GOETHE" teil, die sich auf Initiative des Stadtmuseums Weimar in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute New York dem deutschen Journalisten Dr. Ernst Feder widmet.

Wer war Dr. Ernst Feder und in welcher Beziehung stand er zu Brasilien? Nun, zur Vita von Ernst Feder wird  Herr Schneider, der Kurator dieser Ausstellung, in seinem Beitrag sicherlich genauere Ausführungen machen. Aber als Brasilianer freut es mich, über Ernst Feders Leben und Arbeit in meinem Land und seine Bedeutung für Brasilien sprechen zu können.

Zwischen 1919 und 1933 leitete Feder das Ressort für Innenpolitik beim Berliner Tageblatt. Seine politische Gesinnung wie auch seine jüdische Abstammung machten seinen Verbleib in Deutschland nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unmöglich, auch weil er - wie er selbst es ausdrückte - "die Atmosphäre von Grausamkeit und Gemeinheit nicht ertragen konnte". Zusammen mit seiner Frau Erna floh er über die Schweiz nach Paris, wo er sich vergeblich um ein Visum für die Vereinigten Staaten bemühte.

Und hier beginnt nun seine Beziehung zu Brasilien: Entgegen den Anweisungen der Regierung Vargas, Juden die Einwanderung nach Brasilien zu verweigern, ermöglichte der damalige brasilianische Botschafter in Vichy, Luiz Martins de Souza Dantas, durch die Ausstellung von Dauervisa Feder und seiner Frau die Einreise in das Land. Zudem verfasste der Botschafter mehrere Empfehlungsschreiben, u.a. für die Zeitung A Noite in Rio de Janeiro, die Feder den Start in sein neues Leben erheblich erleichterten. Die konsequente humanistische Einstellung Souza Dantas und sein großer Mut rettete damals vielen Menschen das Leben. Die Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem, die an die Opfer der nationalsozialistischen Judenvernichtung erinnert, ehrte Botschafter Souza Dantas als "Righteous among the Nations" - "Gerechter unter den Völkern".

Schon vor seiner Ankunft 1941 war Feder in Brasilien recht bekannt. Wie gut sich Ernst und Erna Feder in meiner Heimat aufgenommen fühlten, schrieb Feder im Jahr 1954 selbst: "Die Brasilianer verstanden es, in dieser Wüste der Traurigkeit, der Niedergeschlagenheit und der Todesangst eine Oase der Ruhe, der Seriosität und des Vertrauens in die Zukunft zu schaffen".

Um sich in Brasilien jedoch wirklich heimisch fühlen zu können, lernten er und seine Frau zunächst die portugiesische Sprache, die sie beide innerhalb eines Jahres beherrschten. Für Ernst Feder bedeutete dies, dass er seiner Arbeit als Journalist nachgehen und nach einigen Jahren zunehmend auch kritische politische Texte in Portugiesisch verfassen konnte.

Besonders erwähnenswert erscheint mir noch, dass Ernst Feder, der zwar vorwiegend in Rio de Janeiro arbeitete, aber im gebirgigen Hinterland, genauer in Petrópolis, wohnte, Nachbar des berühmten Exilanten Stefan Zweig war und freundschaftliche Beziehungen zu ihm unterhielt. Im Gegensatz zu Zweig und dessen Frau, die an der Zerstörung ihrer ""geistigen Heimat Europa" zerbrachen, besaß Feder die Kraft und den Mut, weiterzuleben. Ihm, dem Humanisten, war daran gelegen, fern vom nationalsozialistischen Deutschland mit seinen Grausamkeiten und all seinem Terror für ein anderes Deutschland zu werben, ein Deutschland im Geiste Schillers und Goethes, für die er große Bewunderung hegte und deren Werke er bestens kannte. Nicht zufällig wurde Goethe zur Symbolfigur des intellektuellen Widerstands der Emigranten.

Ernst Feder hat dazu beigetragen, dass wir Brasilianer ein tieferes Verständnis für die Ereignisse der 30er und 40er Jahre in Europa entwickeln konnten, Ereignisse, die uns im Grunde weit entfernt schienen. Er trug dazu bei, dass wir verstehen konnten, wie  Deutschland – obwohl es als zivilisierte Gesellschaft scheiterte wie nie zuvor eine andere Nation - es schaffen konnte, sich aus dem moralischen Scherbenhaufen zu erheben und zu dem beispielhaften demokratischen Rechtsstaat zu entwickeln, als den wir das Land heute kennen. Ernst Feder, der in seinem Herzen immer den Glauben bewahrt hatte, dass dieses "andere" Deutschland, das „Land der Dichter und Denker", wieder auferstehen könne, kehrte, nachdem sich seine Hoffnung bewahrheitet hatte, wieder in seine Heimat zurück.

 

Und so glaube ich, dass es keine bessere Wahl als Weimar geben konnte, um Ernst Feder mit dieser Ausstellung zu ehren.

 

Vielen Dank!

 

Widmung:

"Im Namen der brasilianischen Regierung beglückwünsche ich Sie zu dieser hochverdienten Ehrung von Dr. Ernst Feder."

Presse zur Kabinettausstellung Ernst Feder