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DDP - Deutsche Demokratische Partei

Das DHM (Deutsche Historische Museum) schreibt auf den empfehlenswerten Seiten des LeMO (Lebendiges virtuelles Museum online) zur Weimarerer Republik folgendes zur DDP:

 

"Keine andere Partei identifizierte sich so uneingeschränkt mit der parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik wie die DDP, und keine andere Partei bekannte sich so eindeutig zu individueller Freiheit und sozialer Verantwortung. Mit Hugo Preuß, Max Weber, Friedrich Naumann, der auf dem 1. Parteitag im Juli 1919 zum DDP-Vorsitzenden gewählt wurde, und mit Conrad Haußmann (1857-1922), dem Vizepräsidenten und Vorsitzenden des Verfassungsausschusses der Nationalversammlung, kamen die entscheidenden Gestalter der Weimarer Verfassung aus den Reihen der DDP.

 Wegen ihres klaren Bekenntnisses zum Liberalismus und zum parlamentarischen System war die DDP Ziel ständiger Angriffe aus den Reihen der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und der Deutschvölkischen.

 Mit 18,5 Prozent der Stimmen 1919 in die Nationalversammlung gewählt, bildete die DDP mit der SPD und der Zentrumspartei (Zentrum) die "Weimarer Koalition".

  Mit nur kurzen Unterbrechungen 1927/28 war die DDP an allen Reichsregierungen bis 1932 beteiligt."

In die Thüringer (21%) und Weimar (36 %) erreichte die DDP bei den Wahlen zur Nationalversammlungen noch bessere Wahlergebnisse. In Weimar war sie mit 7313 Stimmen noch vor der SPD mit 7287 Stimmen die stärkste Partei.

Dr. Ernst Feder und Dr. Theodor Heuss

In der Esslinger Zeitung, Samstag, 31. Januar 1959 erinnert Dr. Ernst Feder an die Gedächtnisrede zu Theodor Barths 10. Todestage und die Reden von Hugo Preuss und Theodor Heuss. Unerwähnt lässt er, dass auch er für die Jungdemokraten an diesem Tage eine Rede hält, von der Theodor Wolff, der Chefredakteur des Berliner Tageblatts,  derart begeistert war, dass ab da Ernst Feder für das Berliner Tageblatt schrieb. Ein weiterer Redner war Paul Nathan. Dieser Tag war für Ernst Feder sowohl in politischer wie auch beruflicher Hinsicht bedeutsam. Die geschlossenen Bekanntschaft und Freundschaften währten durch alle historischen Brüche hindurch. Dem Gedächnis der freisinnigen Väter der Demokratie Deutschland widmete sich Ernst Feder bis zum Ende seiner journalistischen Tätigkeit.

 

Theodor Heuss zum 75. Geburtstag

Von Dr. Ernst Feder

 Fast vierzig Jahre sind es her, am 3. Juni 1919. da veranstalteten die Berliner Jungdemokraten eine Gedächtnisfeier für Theodor Barth, den „Sämann demokratischer Ideen", dessen Todestag sich damals zum zehntenmal jährte.

Welcher Wandel in solchem Jahrzehnt! Theodor Barth, dem kürzlich der Berliner Journalist Hans-Wilhelm Arnold eine ausgezeichnete Doktordissertation bei der Freien Universität Berlin widmete, hatte zu der Generation jener Liberalen gehört, deren Wirken im alten Obrigkeitsstaat zu unfruchtbarer Opposition verurteilt blieb. Jetzt sprachen auf der Gedenkfeier für ihn zwei seiner politischen Freunde, Hugo Preuss und Georg Gothein, nicht mehr in der Opposition, sondern beide als Reichsminister führende Männer der Weimarer Republik.

Entgegen der Meinung mancher Skeptiker, die damals eine solche Veranstaltung für verfehlt hielten („Wer weiß heute noch etwas von Theodor Barth?"), war der große Saal des ehemaligen Herrenhauses bis auf den letzten Platz gefüllt. Vollzählig waren die Jungdemokraten erschienen, unter ihnen auch ein zwanzigjähriger Marburger Student, Ernst Lemmer, der in jener Zeit seine ersten journalistischen Schritte im „Berliner Tageblatt" tat, der einige Jahre später als Benjamin des Parlaments in den Reichstag einziehen sollte und noch höher gestiegen ist.

Viele bekannte Politiker waren zugegen. Noch sehe Ich vor mir in einer der ersten Reihen eine Gruppe von drei Persönlichkeiten: Theodor Wolff, Chefredakteur des „Berliner Tageblatts", Rudolf Breitscheid, früher enger Mitarbeiter Barths, jetzt führend in der Sozialdemokratischen Partei, und zwischen Ihnen Theodor Heuss, Mitglied der Demokratischen Fraktion in der Nationalversammlung.

Wer hätte damals die Wandlungen geahnt, die uns die kommenden Jahrzehnte bereiteten? Die Weimarer Republik ging zugrunde, nicht ohne unser aller Schuld, und es folgte die Fahrt in das Höllental, in der die Deutschen moralisch noch mehr als materiell zu Schaden gekommen sind. Von jenen drei Männern fielen Theodor Wolff und Breitscheid mit so vielen Schicksalsgenossen dem Schreckensregiment zum Opfer. Theodor Heuss hat überlebt, ohne Konzessionen zu machen, und wurde 1949, dreißig Jahre nach jener Kundgebung im Herrenhaus, zu dem höchsten Amt in der neugegründeten Republik berufen.

Heute, an seinem 75. Geburtstag, der ihn im zehnten Jahr seiner Amtszeit sieht,  können wir uns dazu beglückwünschen, daß seine Persönlichkeit einer der großen Aktivposten ist, über die die Deutsche Bundesrepublik drinnen und draußen verfügt.

Die Verfassungsrechte des Präsidenten sind beschränkt, und jene Machtfülle, die die Weimarer Verfassung einem Friedrich Ebert und einem Paul von Hindenburg zur Verfügung stellte, besitzt er nicht.

Aber ohne diese Macht und ohne, wie jene beiden, Arbeiterführer oder Heerführer gewesen zu sein, hat er eine überragende moralisch-politische Autorität gewonnen, die im Inland in einer echten Popularität ohne Unterschied der Volksschichten und im Ausland, wie ich oft feststellen konnte, in bewundernder Hochachtung zum Ausdruck kommt.

Als sich die Erkenntnis durchsetzte, in wie engen Grenzen das Grundgesetz die rechtlichen Befugnisse des obersten Beamten hält, sprach man wohl gelegentlich von dem „Präsidenten, der nichts zu sagen hat". Welch .ein Irrtum! Heuss hatte uns viel zu sagen und er hat es gesagt. Früher einmal hatte Deutschland ein Staatsoberhaupt, von dem es hieß, jede seiner Reden komme einer verlorenen Schlacht gleich. Man darf sagen, daß jede Rede von Heuss dem neuen Deutschland Gewinn bringt. Wenn er das Wort nimmt, horcht man auf, nicht nur in Deutschland.

Auch das Ausland hat ein feines Gefühl für diese Verbindung demokratischer Festigkeit, realpolitischer Einsicht und humanistischer Gesinnung, eine Mischung der auch jenes Element nicht fehlt, das in Deutschland so selten ist: das attische Salz. Stil und Inhalt sind ihm eins. Inmitten eines sichtbaren Verfalls der deutschen Sprache hält er sie hoch und rein. Von ihm gilt, was er von seinem Lehrer Friedrich Naumann sagte, daß er schwierige Dinge vereinfacht, ohne sie zu banalisieren, und daß er volkstümlich spricht, ohne das Niveau zu senken. Ihm ist wie Naumann stilistisches Vorbild Gotthold Ephraim Lessing. Vorbild nicht nur im Stil, auch in der Tapferkeit. Heuss hat jene Zivilcourage, die, wie Bismarck bezeugte, so viel seltener ist als der militärische Mut. Er scheut sich niemals, das als wahr Erkannte auszusprechen auch wenn es unpopulär ist, und die von ihm geliebte Sprachform der Ironie mildert der schwäbische Humor.

Seit ein Ausländer, so erklärte er einmal, den Deutschen erzählt hat, daß sie das Volk der Dichter und Denker sind, halten sie das für ein ihnen zustehendes Vorrecht. Sie klopfen Goethe auf die Schulter, dem diese Geste durchaus nicht lieb ist und nennen ihn ihren Landsmann, und den andern Völkern rufen sie zu: Macht uns einmal unsern Bach, unsern Beethoven, unsern Mozart nach! Auch die oft als tabu angesehenen Gegenstände packt Theodor Heuss unerschrocken an. Wer kann die Unverschämtheit haben, so etwa fragte er in einer Brüderschaftswoche, um den Juden zu sagen: Vergeßt das doch alles! Nein — so billig ist das Hitlererbe nicht zu liquidieren. Und bei einer anderen Gelegenheit prägte er das oft wiederholte Wort von der „Kollektivscham", die uns dadurch auferlegt ist, daß wir mit dem Mann von Braunau und seinen Spießgesellen den Namen der Deutschen tragen. Niemals entschlüpft ihm eine klirrende patriotische Phrase, auch nicht bei der Weihe des Soldatenfriedhofs in Hürtgenwald, wo er es ablehnte, die toten Helden zu feiern. Die Gefallenen, führte er aus, wollen nicht, daß wir ihren Heldenmut rühmen. Wofür sind sie gefallen? Für das Vaterland? Er hat den Mut zu sagen: Nein, sie wurden geopfert, um für einige Wochen oder einige Monate die Herrschaft einer Gruppe zu verlängern, die intelligent genug war, um ihr Ende deutlich vor Augen zu sehen und zynisch genug, um das Land mit sich in den Abgrund zu reißen.

Die Reden des Bundespräsidenten sollten gesammelt und immer wieder verbreitet werden. Man kann von Theodor Heuss nicht sprechen, ohne seiner Lebensgefährtin, Elly Heuss-Knapp, zu gedenken, der „Gärtnerin seines Lebens" wie er sie nannte, die als Frau des Präsidenten eine weitreichende Menschenhilfe entfaltete und in dem Müttergenesungswerk ein fortdauerndes Werk geschaffen hat, die aber auch schon in den Tagen der Weimarer Republik vorbildliche soziale Arbeit leistete, wie gerade jetzt das schöne Buch über Alice Salomon, die Begründerin des sozialen Frauenberufs in Deutschland von neuem erweist.

Das Feierliche liebt Theodor Heuss so wenig wie Fontane es geliebt hat, und er will nicht, daß sein Geburtstag gefeiert werde, auch nicht, wenn er in so runder Zahl sich darstellt wie dieses Mal. Nur den Schulkindern gönnt er den freien Tag, den auch keine Schulfeier belasten darf. Er, der über seinen amtlichen Pflichten nie die persönlichen Bindungen vergessen und seiner Privatkorrespondenz einen so weiten Raum gewidmet hat, wie kaum je ein Briefschreiber in solcher Position, er wird gewiß sein, daß ihn trotz seiner Ahmahnung unzählige Wünsche zuströmen werden für sein neues Lebensjahr und für die folgenden, in denen, auch nach Ablauf seiner Amtszeit, dieser „Präsident, der nichts zu sagen hat" uns noch viel sagen wird.

Von den deutschen Klassikern, den Kündern des Humanismus, hat Ferdinand Lasalle einmal gesagt, daß sie wie ein Schwarm von Kranichen über den Häuptern des deutschen Volkes dahingeflogen seien. Wird Theodor Heuss mit seinen Reden an die deutsche Nation dasselbe Schicksal beschieden sein? Wir können ihm am heutigen Tage gewiß keine willkommenere Gabe reichen als das Versprechen, jeder an seiner Stelle, dahin zu wirken, daß die Heuss'schen Mahnungen und Warnungen begriffen und befolgt werden, um die schlimme Vergangenheit zu überwinden und eine bessere Zukunft vorzubereiten.