Bild des Stadtmuseeums
Stadtmuseum : Aktuelles : Objekt des Monats

Dezember 2017

Adventskalender: Dresdener Frauenkirche mit Marktständen des Striezelmarktes, signiert M. Röhl, 1948, 27,5x18,8 cm

Der Kalender wurde vom Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums e.V. für die Sammlung des Museums erworben und ist zurzeit im Foyer ausgestellt. Er ist etwas Besonderes, da er in der Nachkriegszeit gedruckt wurde, in der es das harmonische Bild der verschneiten Dresdener Innenstadt mit der festlich beleuchteten Frauenkirche, einem der Wahrzeichen Dresdens, nicht mehr gab.

Der von 1726 bis 1743 nach einem Entwurf von George Bähr errichtete barocke Kuppelbau war nach den Luftangriffen vom 13. und 14. Februar 1945 ausgebrannt, die Stadt in Schutt und Asche versunken (der Wiederaufbau der Frauenkirche erfolgte nach erforderlichen Vorarbeiten von 1996 bis 2005). Der Adventskalender ist in unterschiedlicher farblicher Randgestaltung überliefert worden, es ist anzunehmen, dass er in den 1940er Jahren mehrfach aufgelegt wurde. Dem heutigen Betrachter erscheint er wie ein Symbol der Wünsche der Menschen nach einer friedlichen, unzerstörten Welt - inmitten einer Trümmerwüste. Hinter der Kalendertür Nr. 24 zeigt das Bild Engel und Bergmann. (Engelmann)

Dezember 2016

Puppe, um 1885, Höhe 50cm

Die hochwertige, sehr gut erhaltene Puppe ist die jüngste Schenkung an das Stadtmuseum aus Privathand. Sie wurde in der Familie der 1879 geborenen Erstbesitzerin weitergegeben und am 02. Dezember 2016 dem Stadtmuseum zur Bewahrung übereignet. Kopf und Arme sind aus Biskuitporzellan, der Körper wurde aus Leder gefertigt. Biskuitporzellan ist ein unglasiertes Hartporzellan, dessen samtig wirkende Oberfläche gern für die Puppenfabrikation genutzt wurde. Die Puppe hat blaue, fest eingesetzte Glasaugen und eine blonde Echthaarperücke. Bemerkenswert ist es, dass auch die Originalkleidung überliefert wurde: Sie trägt ein winterliches, rotbraunes, abgefüttertes Samtkleid mit Spitzenverzierungen und einer Garnitur aus weinroten Seidenbändern; ergänzt mit der dazu passenden Haube. Das Kleid entspricht in Schnitt und Ausstattung bis ins Detail einem Mädchenkleid der Entstehungszeit. Unterkleidung, Strümpfe und Stiefel sind ebenfalls zeitentsprechend. Die Puppe konnte keiner bestimmten Manufaktur zugeordnet werden; bedeutende Puppenschöpfer im ausgehenden 19. Jahrhundert waren Thüringer Firmen (Sonneberg, Waltershausen), denkbar ist auch ein französischer Hersteller. (Engelmann)

Foto: Jürgen Postel

September 2016

Bertha Froriep (1833-1920), Junge Mutter, Aquarell, rückseitiger Vermerk: Grosse Berliner Kunst-Ausstellung 1894, Maße: 50x30 cm

Das Aquarell wurde 2014 vom Freundeskreis Stadtmuseum erworben. Im Katalog der Berliner Kunstausstellung von 1894 ist es allerdings nicht gelistet, die Künstlerin (Urenkelin Friedrich Justin Bertuchs) ist dort mit einem Studienkopf vertreten. Für das Stadtmuseum stellt das Bild in mehrfacher Hinsicht eine Bereicherung dar, zum einen ergänzt es die Sondersammlungen zu den Familien Bertuch und Froriep; zum anderen zeigt es anschaulich, dass die Thüringer Volkstracht - zumindest Teile davon - auch Ende des 19. Jahrhunderts noch zur Kleidung der ländlichen Bevölkerung gehörte. Die junge Mutter trägt ihr Kind im Thüringer Kindermantel. Er bestand im Wesentlichen aus einer zweilagigen Pelerine; die obere, kürzere war rundherum mit einer angereihten Krause aus dem gleichen Stoff geschmückt. In die langen Zipfel der unteren Lage wurde das Kind eingebunden und am Körper gehalten. Das praktische Kleidungsstück ist bis weit in das 20. Jahrhundert hinein getragen worden, auch auf den Marktfotografien Louis Helds kann man es oft sehen. Zur Sonntagstracht gehörte die "Weimarische Mütze", eine besonders prächtige Bänderhaube, die in der Gründerzeit gern mit versteifter, gefältelter Tüllspitze geschmückt und durch eine große schwarze Schleife oder Straußenfederbinde ergänzt wurde. In der Textilsammlung des Museums befinden sich originale Entsprechungen dazu.

Das Aquarell ist in der neuen, der Künstlerin Bertha Froriep gewidmeten Sonderausstellung zu sehen. (Engelmann)

Foto: Maik Schuck

Dezember 2013

(Foto Jürgen Postel)

Käthe-Kruse-Puppe, Typ IX, um 1955

Die bekannte Puppengestalterin Käthe Kruse (1883-1968) wirkte von 1912 bis 1949/50 im unweit gelegenen Bad Kösen, danach wurde die Produktion in Donauwörth weitergeführt. In Bad Kösen stellte noch bis Mitte der 1960er Jahre ein volkseigener Betrieb Puppen nach dem Vorbild Käthe Kruses her. Sie entwickelte verschiedene Puppentypen, die bis heute begehrt und bewundert blieben. Die Puppe IX, bezeichnet auch als "kleines deutsches Kind", misst 35 cm und wurde in unterschiedlichen Ausführungen von 1929 bis in die Gegenwart produziert; in den 1950er Jahren sowohl in Bad Kösen als auch in Donauwörth mit Köpfen aus Kunststoff. Unsere Puppe hat einen Drehkopf mit Echthaarperücke und trägt ein handgenähtes Kleid, ihr mit Ölfarbe gemaltes Gesicht zeigt braune Augen mit Lichtpunkten und einen runden Mund. Die Beine sind mittels Scheibengelenk beweglich, die Arme locker angenäht. Das Besondere ist eine offensichtlich professionell ausgeführte, jedoch nicht ganz geglückte Reparatur der Arme, deren Farbe auch deutlich vom übrigen Stoffbezug des Körpers abweicht - was der bezaubernden Ausstrahlung des sonst sehr gut erhaltenen Puppenkindes nicht im geringsten schadet. Die Puppe weist keine Firmenkennzeichnung auf. Sie ist ein Geschenk aus Privathand, wofür sich das Stadtmuseum herzlich bedankt. (Engelmann)

Oktober 2013

(Foto: Jürgen Postel)

Glockentasse mit Fuß und Schwanenkopfhenkel.

 Schauseitige Ansicht der "Porcellain Fabrick zu Blankenhain", polychrome Malerei in goldgerahmter Rechteckkartusche. Aufschrift im Spiegel der Untertasse: "E: M: Decem. 1842".

Die sehr gut erhaltene Ansichtentasse der Blankenhainer Manufaktur gehört zu den wichtigen Neuerwerbungen des Jahres 2013. Sie ist ungemarkt. Das blaue S als Bodenmarke wurde vom Manufakturgründer Wilhelm Speck (1790)  und auch von seinem Nachfolger Gustav Voigt (bis 1836) verwendet; die Eintragung der bekannten Wappenschild-Marke mit dem Schriftzug "Weimar" im Reichswarenzeichenregister erfolgte am 15.08.1884 und ist auf den häufiger überlieferten Porzellanobjekten zu finden, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.

Die vorgestellte Tasse bildet ein seltenes Belegstück zur Manufakturgeschichte, da schriftliche Quellen und nachgewiesenes Porzellan dieser Zeit bisher kaum bekannt sind. Nach Gustav Voigt hatten die Besitzer bis zur Jahrhundertmitte mehrach gewechselt. In der 1922 erschienenen "Geschichte der Stadt und Herrschaft Blankenhain" von Walther Bankwitz war berichtet worden: "Eine Zeitlang lag das Geschäft stark darnieder und erholte sich erst allmählich wieder [...] Mit dem Übergang der Fabrik in den Besitz der [...] Familie Fasolt nahm dieselbe einen neuen Aufschwung".

Die Porzellantasse ist zurzeit im Foyer des Museums ausgestellt. (Engelmann)

Juli 2013

Damenkleid, Seide und Spitze, um 1913

Firmennachweis im Taillenband: Max Haar, Hoflieferant, Weimar

Mit Tunika und hoher Taille entspricht das Kleid der in den Jahren vor dem I. Weltkrieg aktuellen Modelinie, deren Schnitt an die "Chemisen" (Hemdkleider) der klassischen Zeit hundert Jahre zuvor erinnert. Diese wiederum sind antiken Vorbildern nachempfunden worden, was für den Kulturhistoriker Max von Boehn der Anlass war, in seinem 1919 erschienenen Standardwerk zur Modegeschichte darauf hinzuweisen, dass sich die Mode "...ja dauernd wiederholt und selbst kopiert". In abgewandelter Form ist der Schnitt auch heute wieder häufig zu sehen. Das vorgestellte Kleid aus Seide, schwarzer, blauer und cremefarbener Spitze wurde mit Jettperlen besetzt und hat den zeittypischen Halseinsatz mit drahtversteiftem Stehkragen aus durchsichtiger Spitze, die noch das beliebte Jugendstilmotiv von Seerosen und Rohrkolben aufweist. Es wurde in den 1990er Jahren restauriert und befindet sich entsprechend in einem sehr guten Erhaltungszustand. Zurzeit ist das Kleid mit weiteren Originalen aus der umfangreichen Textilsammlung des Stadtmuseums in der Sonderausstellung "Mode und Reform - Kleider der Jahrhundertwende (1890-1914)" im Bertuchhaus zu sehen (bis 06.10.2013). (Engelmann)

 

 

Januar 2013

(Foto: Jürgen Postel)

Zigarettendose "Manoli Gibson-Girl", Eisenblech, um 1910

Die 1905 registrierte Marke "Gibson-Girl" gehörte zu den beliebtesten Produkten der Berliner Manoli-Zigarettenfabrik, gegründet 1894 von Jakob Mandelbaum (1859-1918). Neben der Qualität zeichnete sich die Firma durch eine innovative Reklamestrategie aus. (Ihre erste elektrische Werbung in Berlin führte zur Prägung des Begriffes "manoli" für "durchgedreht"). Infolge des Ersten Weltkriegs wurden viele französische und englische Markennamen in deutsche umbenannt: "Gibson-Girl" wurde zu "Wimpel", wobei die gewohnte Aufmachung sichtbar blieb, um die gleichbleibende Qualität zu verdeutlichen.

Das abgebildete "Gibson-Girl" trägt das runde Manoli-Logo dekorativ verteilt auf einem dunkelblauen Abendkleid. Erfinder der eleganten, selbstbewussten jungen Dame war der amerikanische Illustrator Charles Dana Gibson (1867-1944). Der in seinen Zeichnungen immer wieder auftauchende moderne Frauentyp wurde - nicht nur in den Vereinigten Staaten - äußerst populär und modeprägend für die vorige Jahrhundertwende. Man sieht das "typische amerikanische Girl" beim Radeln, Autofahren, im Schwimmkostüm und in allen denkbaren gesellschaftlichen Situationen immer passend gekleidet und frisiert. Als Verkörperung des gezeichneten "Gibson-Girls" galt die Schauspielerin Camille Clifford (1885-1971); dem Mädchen auf der Zigarettendose wiederum soll eines ihrer Künstlerfotos als Vorbild gedient haben. (Engelmann)

November 2012

Einladung zur Eröffnung der Reform-Lichtspiele in der Marienstraße 1 am Samstag, dem 30. November 1912

Der vielseitige Weimarer Hofphotograph Louis Held (1851-1927) gilt als einer der ersten Bildreporter Deutschlands, er beschäftigte sich gleichfalls mit fototechnischen Erfindungen (für die er einige Patente erhielt) und mit dem Kinofilm. Um 1910 begann er damit, eigene Filme mit einer Kamera der Pariser Firma Pathé zu drehen (Schutzmarke: "Weimar-Film"). Diese führte er von Februar 2012 bis zur Eröffnung seines Filmtheaters in der Marienstraße am 30. November 2012 erfolgreich im Saal der Armbrustschützengesellschaft in der Schützengasse vor. Die vor 100 Jahren errichteten Reform-Lichtspiele waren nicht das erste Weimarer Filmtheater, seit 1906 bestand Theodor Scherffs Lichtspielhaus in der Marktstraße 20. Neben eigenen Filmen wurden kommerzielle Produktionen gezeigt, die Reform-Lichtspiele erwiesen sich als einträglich und wurden 1919 erweitert, sie bestanden bis 1933. Das Stadtmuseum bewahrt einen Teil des Nachlasses Louis Helds, darunter auch Dokumente und Plakate des Filmtheaters; überlieferte "Weimar-Filme" befinden sich im Bundesarchiv/Filmarchiv Berlin, eine Auswahl ist in der ständigen Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen.

"Da es, wie Sie wohl wissen, mein eifrigstes Bestreben ist, die ungemein wichtige Erfindung der lebenden Fotografie auf die ihr gebührende Stufe mitzuerheben, bitte ich Sie, mich durch Ihren werten recht häufigen Besuch und Ihre geneigte Weiterempfehlung in meinem Vorhaben zu unterstützen." (L. Held in einer Werbeschrift vom 24.09.1913)  (Engelmann)

Mai 2012

(Foto Maik Schuck)

Richtschwert

Das Richtschwert der Stadt Weimar wurde in Solingen geschmiedet und fand seinen Weg nach Weimar in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts. Es weist den Sinnspruch "NACH BOSEN WERCKEN FOLGT BOSER LOHN"; Darstellungen von Rad und Galgen sowie das Meisterzeichen auf. Die Klingen der Richtschwerter waren meist ca. 80 bis 90 cm lang, besaßen eine abgerundete Spitze und waren sehr breit und flach.

Als Werkzeug des Scharfrichters und Symbol der Blutgerichtsbarkeit, galt die Enthauptung durch das Schwert als ehrenhafte Strafe. Sie wurde sowohl für Männer als auch für Frauen verhängt und bei Diebstahl, Totschlag, Inzest oder Kindsmord vollstreckt. Häufig trat die Schwertstrafe in Verbindung mit anderen Hinrichtungsarten, so konnte danach noch das Rädern oder Verbrennen erfolgen. Die Schwertstrafe verlangte viel Präzision vom Scharfrichter ab, misslang eine Enthauptung, war sein eigenes Leben in Gefahr.

Das Richtschwert wird anlässlich der Weimarer Museumsnacht am 2. Juni 2012 nach rund 30 Jahren erstmals wieder im Bertuchhaus ausgestellt. (Susan Geißler, Praktikantin 2011, FSU Jena)

 

 

April 2012

(Foto Maik Schuck)

Franz Huth, Im Kirschbachtal bei Weimar, 1959, Pastell

Franz Huth (1876-1970) war ein Pleinairmaler par excellence. Doch nicht nur seine Landschaften und Darstellungen von Parks, Gärten und anderen Außensituationen, sondern auch seine Wiedergaben des Innenraums stehen in diesem Kontext, weil er auch hier das natürliche Licht und die momentane Erscheinung des Raumes fixiert.

"Dissonanzen gibt es bei ihm nicht. [...] Und im Umkreis der blühenden Heckenrose jagt der Neuntöter sicherlich auch nach Käfern, Schmetterlingen und jungen Vögeln und steckt sie auf die tödlichen Spieße des Dornbusches. Davon ist in seinen Bildern nichts zu spüren. [...] Von menschlicher Güte wie von liebenswürdiger Betrachtungsgabe" sind seine Bilder geprägt.

Die Beispiele, in denen Huth eine weite Landschaft ins Bild setzt, sind nicht so zahlreich anzutreffen. Er sucht sich lieber einen Motivausschnitt, sowohl im Innenraum, als auch in seinen Naturdarstellungen. Von dieser Art zeugen vier Pastelle, die in der aktuellen Sonderausstellung im Bertuchhaus gezeigt werden. Darunter auch das abgebildete Motiv, das mit leicht ergrünten Wiesen, einem weiß blühenden Strauch und noch unbelaubten Bäumen den Vorfrühling erahnen lässt, fast so wie in dem berühmten dichterischen Osterspaziergang, "Vom Eise befreit...". Dabei verwendet Huth ein bestimmtes Kolorit: Blau- und Grüntöne, aber auch erdiges Gelb, vom Ocker bis hin zu Orangetönen. (Dr. Gabriele Oswald)

 

 

Februar 2012

(Foto Maik Schuck)

Papiertheater, Ende 19. Jahrhundert

"Es ist nichts, nur Papier, und doch ist es die ganze Welt." (PETER HØEG)

Die im 19. Jahrhundert überaus beliebten Papiertheater gehen auf die Theaterbegeisterung der Zeit um 1800 zurück, zur Erinnerung an erfolgreiche Aufführungen wurden Bilderbogen mit Figuren und Dekorationen herausgegeben. Bald konnte man damit ganze Stücke nachspielen. Die Erfindung der Lithographie durch Alois Senefelder 1798 ermöglichte die preiswerte und massenhafte Produktion der Theaterbilderbogen, unter mehr als 50 Verlegern allein in Deutschland seien hier nur die bekannten Neuruppiner Hersteller genannt. Ausgeschnitten, auf Pappe aufgeklebt und räumlich angeordnet fügten sich Kulissen und Figurinen zu einem kleinen Modelltheater, das die "große Bühne" möglichst exakt kopierte. Im häuslichen Kreis diente es dem Vergnügen und der Bildung ganzer Generationen. Dabei reichte das Repertoire von der Oper bis zum Märchen; in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Entwicklung hin zum Kindertheater. Das prächtige Theater in der Sammlung des Stadtmuseums ist eine Schenkung von 1983: Die Bühne selbst besteht aus Holz, vier nacheinander angeordnete Kulissenrahmen ermöglichen die Illusion räumlicher Tiefe. Eine große Reisetruhe ist angefüllt mit auswechselbaren Kulissen und Akteuren aus Pappe und Papier; zahlreiche Textbücher verweisen auf umfangreiche Spielmöglichkeiten. Am Samstag, dem 17.03.2012, 15.00 Uhr wird es im Rahmen der aktuellen Theaterpuppenausstellung für eine Märchenaufführung "reaktiviert". (Engelmann)

Januar 2012

Vorlage für ein Skikostüm,

Schnittmusterheft "Weltruf",

Chemnitz, um 1926

Die Modezeichnung veranschaulicht die moderne, sportliche, selbstbewusste Frau der 1920er Jahre: ein völlig neuer Frauentyp im Vergleich zu den vorangegangenen weiblichen Idealbildern, entstanden und erst ermöglicht durch die grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg.

 Kurzhaarschnitt, Topfhut und heruntergezogene Taille der Jacke sind die modischen Markenzeichen der Zeit. Noch um 1912 erregten Damen, die sich im langen Hosenrock auf die Straße wagten, unerhörtes Aufsehen; Louis Helds Kurzfilm "Wintersport in Oberhof" aus dieser Zeit (zu sehen in der ständigen Ausstellung) zeigt Frauen im langen Rock beim Rodeln und Schneewandern.

Im Ersten Weltkrieg als Arbeitsbekleidung akzeptiert (Arbeitsplätze der im Feld stehenden Männer wurden durch Frauen besetzt), fand die Hose über den Sport jetzt Eingang in die Damenmode und konnte seitdem ihren Platz trotz anfänglichen Widerständen behaupten. (Engelmann)

Dezember 2011

Spielpuppe, um 1845

Die Puppe zeigt das Idealbild und die originalgetreue Mode einer Dame dieser Zeit. Ihr Körper besteht aus einer Kombination von ausgestopftem Leinen und Papiermaché. Sie hat fest eingesetzte braune Glasaugen; Brauen, Wimpern, Lippen und Wangen wurden zart nachgemalt. Auf das gemalte schwarze Haar ist eine Perücke mit Schneckenfrisur aufgesetzt, ursprünglich trug die Puppe vermutlich einen Schutenhut. Das aufwendig handgenähte Kleid entspricht bis ins Detail den zeitgleichen Damenkleidern in der Textilsammlung, es ist die Übergangsmode vom Biedermeier zum sogenannten "Zweiten Rokoko". Die Unterkleidung besteht aus einem weißen Hemd und einem mehrlagigen, dick gesteppten Unterrock. der dem Kleid die erforderliche Fülle verleiht - ebenfalls analog zur damals aktuellen Damenmode. Strümpfe mit rotem Zwickel und die typischen Kreuzbandschuhe wurden aufgemalt. Ein Thüringer Hersteller ist wahrscheinlich, Sonneberg und Waltershausen waren weitbekannte Zentren der Puppenindustrie. Die sehr gut im Originalzustand erhaltene Puppe stammt aus der Weimarer Umgebung und wurde dem Museum 1956 übereignet. Ähnliche Puppen begegnen uns auf vielen zeitgenössischen Darstellungen weihnachtlicher Gabentische: Puppe und Puppenstube für die Mädchen, Schaukelpferd und Spiele für die Jungen waren heißbegehrt. (Engelmann)

November 2011

Aufnahmegesuch Franz Liszts in die Weimarer Armbrustschützengesellschaft:

"Ein verehrliches Vorsteheramt der Armbrustschützen-Gesellschaft ersuche ich, mich als Mitglied der genannten Gesellschaft gefällig aufnehmen zu wollen. Weimar, den 21. Juni 1849. Ergebenster F. Liszt"

Vermerk: "Die gesetzliche Ballotage erfolgt Montag den 2. Juli d. J. Das Vorsteheramt"

Franz Liszt wurde 1849/50 als wirkliches Mitglied geführt, über deren Aufnahme entschieden die wirklichen Schützen und die wirklichen Mitglieder der Gesellschaft durch Ballotage (Abstimmung mittels Kugeln, weiß für Bejahung, schwarz für Verneinung).

Das Stadtmuseum bewahrt ein umfangreiches Konvolut zur Dokumentation der Geschichte der "Privilegierten Stahlarmbrust-Schützengesellschaft", darunter Archivalien, Fotoalben, Lustblätter, Schützenschilde und Silberpokale. In seinem "Führer für Fremde und Einheimische" bemerkte Ferdinand von Biedenfeld 1841: "Die älteste jener geschlossenen Gesellschaften ist die der Stahl- und Armbrust- Schützen. Sie besteht urkundlich über vier Hundert Jahre, ist in ihrem Kleinodienschatz reich an alten Merkwürdigkeiten [...] Neben der täglichen Geselligkeit in ihrem schönen Haus und Garten [...] erhebt sie durch Gastfreundlichkeit ihre jährlichen Vogelschießen im Anfang des Sommers zu wahren Volksfesten..." (Engelmann)

(Weiterführende Informationen in der aktuellen Sonderausstellung zur Geschichte der Armbrustschützengesellschaft)

September 2011

Erdglobus, Geographisches Institut Weimar, 1842

Die Karten, Atlanten und Globen aus dem Landes-Industrie-Comptoir und dem Geographischen Institut von Friedrich Justin Bertuch (1747-1822) trugen maßgeblich zur Entwicklung der Kartographie im frühen 19. Jahrhundert bei. Bis in das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts lässt sich die Existenz dieses Verlagsensembles nachweisen. Obwohl nach dem Übergang der Firmen an Bertuchs Schwiegersohn Ludwig Friedrich von Froriep (1779-1847) sowie dessen Sohn Robert Froriep (1804-1861) ein Stagnieren der Vielfalt und Originalität der Karten, Atlanten und Globen aus Weimar zu beobachten war, blieben die dreidimensionalen Modelle der Erde und des Himmels sowie die ihnen verwandten Planetenapparate eine beständige Größe im Produktspektrum des vormaligen Bertuchschen Erfolgsbetriebes.

Der hier gezeigte Erdglobus hat einen Kugeldurchmesser von 8 Pariser Zoll (~20 cm). Von Carl Ferdinand Weiland (1782-1847), dem damaligen Chefkartographen des Geographischen Instituts, stammen die Kartenentwürfe. Die mit Kartensegmenten beklebte Globuskugel aus Pappmaché und Gips ist von Pol zu Pol von einem Messingmeridian umschlossen und in ein hölzernes Gestell eingesetzt. Zusätzlich wurde mit dem Globus auch ein Kompass sowie erläuterndes Begleitmaterial ausgeliefert. Neben Kontinentumrissen sind Ländergrenzen, das Relief im Landesinneren, Flussverläufe und wichtige Ortsnamen zum Teil mehrfarbig hervorgehoben.

Der Globus ist noch bis zum 16. Oktober 2011 in der Ausstellung "Die Welt aus Weimar. Zur Geschichte des Geographischen Instituts" zu sehen. (Dr. Andreas Christoph)

August 2011

Herren-Dreiecksbadehose, um 1965

Im letzten Rathauskurier als gesuchtes Objekt für die Textilsammlung genannt, fand sie sich noch in einem Weimarer Haushalt: die berühmte (originale!) Herren-Dreiecksbadehose aus DDR-Zeiten (später gab es noch einmal eine Nachauflage). Heute fast schon Kultobjekt, wurde sie von den 1950er Jahren bis in die 70er Jahre hinein getragen. Der einfache Schnitt (2 Dreiecke, Tunnelzug, seitlich geknöpft, wenige Nähte) und das feste Material (Baumwollköper) in verschiedenen Unifarben mit aufgenähten hellen Köperbändern machten die im sächsischen Großröhrsdorf produzierte Badehose zum unverwüstlichen Klassiker. Das Stadtmuseum bedankt sich herzlich für die Schenkung! (Engelmann)

Juni 2011

Mädchenbikini, VEB Strickwaren Oberlungwitz, Gr. 152, Material: 100 % Grisuten, um 1980

Der VEB Strickwaren Oberlungwitz (ehemals Bezirk Karl-Marx-Stadt, mehrere Betriebsteile) war der größte Produzent von Badebekleidung für Inlandsbedarf und Export in der DDR. GRISUTEN bezeichnete eine vollsynthetische Faser (Polyester), deren Eigenschaften mit hervorragender Form- und Faltenbeständigkeit, hoher Haltbarkeit, leicht trocknend und knitterarm beschrieben wurden. (Nachteil beim Baden insbesondere in Schwimmbädern: Auf rauen Oberflächen zogen sich leicht Fäden...). Der Stoff fand auch vielseitige Verwendung in der Herstellung von Oberbekleidung.

Bikiniähnliche Sportkleidung ist schon auf antiken Abbildungen überliefert. Ansätze zu Zweiteilern gab es bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; als erster eigentlicher Bikini (benannt nach dem Bikini-Atoll im Pazifik) gilt  jedoch das am 5. Juli 1946 von Louis Réard im Pariser "Piscine Molitor" vorgestellte Modell. Zur Vorführung wurde eine Tänzerin engagiert, da sich kein Mannequin dazu bereit fand. Der Bikini war so erstaunlich knapp geschnitten (im Prinzip vier Dreiecke, von Bändchen gehalten), dass er in der heutigen Zeit nicht auffallen würde; damals jedoch war er skandalös. Nur allmählich und begleitet von Verboten konnte sich der Bikini in der Öffentlichkeit durchsetzen (wozu prominente Trägerinnen wie Brigitte Bardot beitrugen), zunehmend seit den 1960er Jahren.

Der älteste Badeanzug des Stadtmuseums wurde um 1910 getragen; zur Vervollständigung der Sammlung wird noch eine originale Herren-Dreiecksbadehose gesucht! (Engelmann)

April 2011

Spielkarte "Hasenbraten"

 

"Was wollen wir kochen? Ein lustiges Gesellschaftsspiel", Fabrikmarke: Luxus-Papierfabrik Berlin, um 1910

 

Die Spielanleitung weist gleich zu Anfang darauf hin, dass "dieses neue, interessante und zugleich lehrreiche Spiel in erster Linie für Mädchen bestimmt" ist. Es können bis zu 15 Personen teilnehmen. Die Spielkarten im A5-Format beschreiben Gerichte vom Napfkuchen über Wiener Schnitzel bis zur Götterspeise. Dazu gibt es eine große Anzahl kleinerer Karten mit den jeweiligen Zutaten, die die Spieler ähnlich wie beim Schwarzen Peter zusammenstellen müssen. Die Gewinnerin wird als Köchin ausgezeichnet, die Letzte erhält eine Suppenkaspar-Karte, die übrigen ein Zertifikat als Kochschülerin. Spiel und Spielkasten sind liebevoll im Jugendstil gestaltet und sehr aufwendig ausgestattet. Die Berliner Firma Heymann und Schmidt wurde 1904 gegründet und produzierte u.a. Kalender, Glückwunschkarten, Plakate und Reklameartikel. Das Kochspiel wird mit weiterem Spielzeug aus dem Fundus in der Museumsnacht (21.Mai 2011) im Veranstaltungsraum zu sehen sein. (Engelmann)

   

Februar 2011

Damenkleid (Rückansicht), Musselin, um 1805

Das Kleid gehört zu den besonders schönen und wertvollen Stücken in der umfangreichen Textilsammlung, es zählt (neben den Entwürfen zum Weimarer Märzgefallenendenkmal von Bauhauskünstlern) zu den am meisten als Leihgabe angefragten Objekten des Stadtmuseums. Der mündlichen Überlieferung nach soll es im Umfeld des Weimarer Fürstenhofes getragen worden sein. Die "Chemisen" (Hemdkleider) der klassizistischen Mode waren antiken Vorbildern nachempfunden und standen im krassen Gegensatz zur vorangegangenen, überladenen Rokokomode mit Schnürleib und Reifrock. Allerdings war auch die neue Mode nicht frei von Übertreibungen: Je dünner und leichter der Stoff, desto eleganter war die Dame, wodurch der Begriff der "Musselinkrankheiten" geprägt wurde. Besonders Modemutige sollen unter den durchsichtigen Kleidern lediglich mit einem fleischfarbenenTrikot bekleidet gewesen sein. Im Ausstellungsbereich des Museums, der Bertuchs "Journal des Luxus und der Moden" gewidmet ist, sind ähnliche Originalkleider und Modekupfer aus der Zeit um 1800 zu sehen. (Engelmann)

Dezember 2010

Porzellantasse, Manufaktur Blankenhain, polychrome Malerei: schlittenfahrende Kinder in thüringischer Landschaft, um 1830/35 (Foto Maik Schuck)

Die Tasse trägt als Bodenmarke ein blaues S, das für den Manufakturgründer Wilhelm Speck steht. Sein Nachfolger Gustav Vogt verwendete die Marke weiter (1828-1836). Unter den selten überlieferten Porzellanen der Blankenhainer Frühzeit (seit 1790) ist diese Tassenform noch am häufigsten zu finden. In einem Preiscourant von 1834/35 wird sie als "Hetrurische oder Berliner Tasse" angeboten. Offensichtlich war sie bei den Käufern besonders beliebt; handbemalt mit liebenswerten ländlichen Szenen, Hirten, Jägern, Wildtieren, spielenden Kindern, hat sich eine kleine Anzahl in einigen Museen und vereinzelt in Privatbesitz erhalten. Jede ist ein Unikat, Motivwiederholungen sind bisher nicht aufgetaucht. Eine Winterszene ist allerdings besonders selten. Die Tasse wurde dem Museum 2007 von einer Weimarer Bürgerin als Geschenk übereignet. In Vorbereitung der Sonderausstellung zur Geschichte der heute als "Weimar-Porzellan" bekannten Manufaktur im nun ausklingenden "Porzellanjahr Thüringen 2010" konnte das Stadtmuseum seine Sammlung durch gezielte Ankäufe und zahlreiche private Schenkungen um wichtige Objekte erweitern. (Engelmann)